Stan Nadolny – Die Entdeckung der Langsamkeit

Titel: Die Entdeckung der Langsamkeit

Autor: Stan Nadolny

Verlag: Piper

Seiten: 376

ISBN: 978-3-492-20700-3

Das Buch erzählt die Geschichte von John Franklin und spielt zur Zeit der napoleonischen Kriege. John ist ein ganz besonderer Junge, denn er ist langsam. Er geht langsam, er denkt langsam, er spricht langsam, aber er achtet auch viel mehr auf Details und Einzelheiten, das große Ganze, das Komplexe bleibt ihm oft verborgen, doch dafür hat er einen ganz anderen Blickwinkel auf die Welt, der ihm Dinge zeigt, die dem Rest verborgen bleiben. Seine Langsamkeit steht ihm bei vielem im Weg und doch hat er einen großen Traum. Er will Seemann werden, am liebsten Kapitän eines großen Schiffes und mit diesem die Welt, besonders das Polarmeer, entdecken. Für diesen Traum kämpft John hartnäckig und schindet sich unermüdlich. Ob er wohl einen Kapitän überzeugen kann ihn in seine Crew aufzunehmen, obwohl er so langsam ist?

Zunächst einmal sei gesagt, dass es sowohl John Franklin, ebenso wie alle in dem Buch beschriebenen Schlachten und Expeditionen tatsächlich stattfanden und es sich durchaus um etwas ähnliches wie ein Biographie in Romanform handelt.

Der Charakter Franklin ist sehr detailliert dargestellt. Man bekommt nicht nur tiefe Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt Johns, sondern wächst mit ihm richtig zusammen. Man versteht seine Entscheidungen und kann genau verstehen, warum er wann zögert, was er gedacht hat und wieso er seinen Weg so geht, wie er ihn geht, auch wenn er alles andere als einfach ist. Auch wenn die Geschichte in der Erzählperspektive geschrieben ist, fühlt man sich selbst verblüffend schnell nicht mehr als Beobachter der ganzen Geschichte sondern verschmilzt mit John Franklin und wird ein Teil der Erzählung. Auch der übrige Stil des Buches ist mehr als ansprechend. Der Autor hat nicht nur geschichtlich außerordentlich gut recherchiert, sondern auch alles mit vielen Adjektiven und Beschreibungen so detailgetreu wiedergegeben, dass man die Schauplätze und Personen bildlich vor seinem inneren Auge hatte und jeden Schritt durch die Landschaften als John Franklin selbst tun konnte. Bemerkenswert war für mich auch, dass das Buch trotz der vielen Beschreibungen und den geschichtlichen Details nicht langweilig wurde. Im Gegenteil man hat mit John mitgefiebert, wollte immer wissen, wie es mit ihm und seinem Leben und seinen Plänen weitergeht und ob die Dinge gelingen werden. Es war einfach spannend und nebenbei konnte man aber auch hinter die Kulissen der Schicksale der napoleonischen Schlachten wie Trafalgar blicken. Für mich war das eine sehr gelungene Kombination, doch was mich wirklich am meisten beeindruckt hat, war das der Autor es geschafft hat das Buch so gut zu schreiben, dass die Langsamkeit von John auch den Leser angesteckt hat und man sich Johns Tempo auch beim Lesen angepasst hat. Ich bin normalerweise eher ein Leser, der die Bücher fast frisst und zwischen 60 und 100 Seiten in der Stunde liest, doch bei diesem Buch habe ich gerade einmal 20 Seiten geschafft und waren es einmal 25 kam ich mir vor als hätte ich total gehetzt. Das war irgendwie ein sehr seltsames aber auch sehr eindrucksvolles Erlebnis, dass ich so noch nie bei einem Buch hatte und daher kann ich gar nicht anders als dem Buch

5 von 5 Punkten zu geben.

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