Luise Rinser – Gefängnistagebuch

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Titel: Gefängnistagebuch

Autor: Luise Rinser

Verlag: Fischer

Seiten: 160

ISBN: 978-3-596-21327-6

Das Gefängnistagebuch ist eine autobiographische Erzählung von Luise Rinser, in welcher sie dem Leser einen Blick hinter die Kulissen eines Gefängnisses zur Zeit des NS-Regimes ermöglicht. Sie beschreibt ihr eigenes Schicksal, die Art und Weise, wie sie und andere Gefangene damit umgegangen sind, aber auch die Zustände, Missstände, Hoffnungen und verlorenen Träume und Illusionen, die sich dort vorgefunden haben und von jedem Einzelnen durchlitten wurden.

Ich fand das Buch sehr interessant, da es einmal eine ganz andere Seite des NS-Regimes beleuchtet. Fern von KZs und Fronten gab es auch eine Menge Schicksale, die vielleicht nicht so grausam waren, wie die Vergasung von Millionen von Juden in den KZs, die aber nichts desto trotz nicht weniger schlimm und anschauenswert sind, denn sie beleuchten eine andere Facette des Krieges. Es ist sicherlich kein Buch, welches man mit den Worten schön, spannend oder faszinierend beschreiben könnte, aber dafür passend die Wörter bewegend, erschreckend, nachfühlbar und anschaulich um so besser. Viele Menschen würden sich aufs Jammern verlegen, nicht so aber die Autorin. Man kann die Schrecken und Qualen der Gefangenen nachfühlen und auch leidet man bei ihren Einbrüchen mit, doch letztlich geht es in diesem Buch um etwas anderes. Es wird gezeigt, wie jeder Einzelne gekämpft hat, welche Methoden er gefunden hat, um das Elend besser zu ertragen und für sich selbst etwas zu mildern. Auf der einen Seite war das Buch sicherlich hochemotional, auf der anderen Seite aber auch irgendwie sehr nüchtern geschrieben. Ich weiss, dass klingt wie ein unvereinbarliches Paradoxon aber es war genau das, wie ich dieses Buch erleben durfte. Da ich selbst jemand bin, der sich für die Thematik des zweiten Weltkriegs sehr interessiert, war das Buch für mich gleichsam lehrreich wie ausschlussreich und hat mich zu einer Seite des Krieges gebracht, die ich auch, und das muss ich zu meiner Schande gestehen, bis jetzt immer außen vor gelassen habe. Doch zum Glück ist es nie zu spät doch noch die Kurve zu kriegen und sich auch in eine andere Richtung zu bilden. Für den Durchschnittsleser mit keinem bis wenig Interesse an der Thematik des zweiten Weltkriegs würde ich das Buch nicht empfehlen. Von mir selbst bekommt es aber

3 von 5 Punkten,

da es wirklich gut war, jedoch leider für mich persönlich den Leser ein wenig zu weit außen vor auf der Beobachterposition gelassen hat, anstatt ihn abzuholen und als Mitgefangenen einzuführen.

2 Responses to Luise Rinser – Gefängnistagebuch

  1. Uwe Rennicke sagt:

    Hallo,
    ob Luise Rinser das gewollt hätte, den Leser als „Mitgefangenen einzuführen?“ Da bin ich ja sehr skeptisch. Aber das ändert ja nichts am Lesegefühl des Rezipienten.
    viele Grüße
    KaratekaDD

    • Drachenleben sagt:

      Hallo Karateka,

      naja, ich mag es gerne, wenn man sich richtig einfühlen kann. Ob es nun als „Mitgefangener“ oder als etwas anderes ist, sei dahingestellt, allerdings ist die Position des Mitgefangenen, die, die mir am meisten zugesagt hätte.

      Drachige Grüße
      Noctana

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