Darf ich bitten? Regina Gärtner im Interview

Bloggeraktion

Hallo ihr Lieben,

das hier ist mein vierter Beitrag im Rahmen der Aktion „Darf ich bitten? Deutschsprachige Autoren im Interview“.

Dieses Mal ist es mir eine Ehre Regina Gärtner auf dem heißen Stuhl gehabt zu haben, aber keine Sorgen: Niemand kam bei diesem Interview zu schaden (außer vielleicht mein Laptop, der wieder ein paar Überstunden schieben musste). Ich bin immer wieder erstaunt, wie lieb doch die ganzen Autoren sind und auch Regina hat da keine Ausnahme gebildet. Ich hatte sehr viel Spaß mit ihr im Interview und auch bei der Klärung der ganzen Organisation. Man kam sich nie als Bittsteller vor sondern immer als ein ernstgenommener Gegenüber und auch in seiner Arbeit sehr ernstgenommen, was ich auf jeden Fall sehr schön fand, denn da macht die Zusammenarbeit gleich noch mehr Spaß. Aber genug geredet.

Das ist Regina:

regina gaertner

Das Regina anders ist und sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt zeigt schon ihre Homepage. Während andere Autoren einfach ihre Eckdaten als Steckbrief schreiben, bekommt man bei ihr einen Steckbrief der besonderen Art. Nicht nur, dass sie einen fleissig rechnen lässt und Recherche betreiben, wenn man genaueres wissen will, auch auf die damals aktuellen Ereignisse nimmt sie Bezug und man erfährt teils auch gleich, wie diese ihr Leben beeinflußt haben. Dieser Steckbrief ist auf jeden Fall einen Blick wert. Auch ihr aktuelles Werk „Unter dem Südseemond“ ist etwas exotisches auf dem Buchmarkt und verdient daher einen besonderen Blick. Eine Geschichte um die Jahrhundertwende des 20 Jhd. Deutschland ist noch eine Kolonialmacht und hat auch noch Deutsch-Samoa unter sich. Die june Alma wandert dahin aus. Eine ungwöhnliche Geschichte, welche einmal an einem ganz anderen Ort spielt und auf jeden Fall mal einen genaueren Blick wert ist.

Aber schaut doch einmal selbst:

Schon allein das Cover ist einfach klasse und lädt dazu ein dieses Buch als Urlaubslektüre mitzunehmen oder gemütlich im Liegestuhl zu geniessen, aber damit ist es ja nicht genug, denn auch die Beschreibung macht einfaach nur Lust auf mehr:

1899: Gegen ihren Willen wird die junge Alma vom Vater
mit einem Mann verheiratet. Hermanns Pioniergeist und
sein Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg führen die
beiden von Köln nach Deutsch-Samoa. Die Inseln im

Südpazifik wurden gerade zum deutschen Schutzgebiet erklärt.

Obwohl die weißen Strände und die grünen Hügel der Insel
wie die pure Idylle wirken, muss Alma sich einer
unaufhörlichen Folge von Schicksalschlägen stellen.

Wird sie in dieser exotischen Welt je ihr Glück finden,
oder bleibt sie für immer eine Gefangene
der Entscheidung anderer Menschen?

Denn der Mann, den Alma wirklich liebt, lebt weit entfernt.

Und die Familie, aus der sie herausgerissen wurde,

hütet ein Geheimnis, das Alma noch bis ans andere Ende

der Welt verfolgt.

Es ist die Geschichte einer Frau am Anfang des 20. Jahrhunderts, die unglaubliche Dinge erlebt.

Es ist die Geschichte einer verbotenen Liebe.

Es ist die Geschichte einer Familie, die mehr als ein Geheimnis hütet.

Es ist die Geschichte aus einer Zeit, als das Deutsche Reich aufbrach, eine Weltmacht zu werden.

Es ist die Geschichte von zwei idyllischen Inseln mitten im Südpazifik.

Es ist die Geschichte von Abenteuern, von großen Schicksalsschlägen, von Lügen und Intrigen, von Glück und Unglück.

Es ist eine mitreißende Geschichte aus dem kolonialen Deutsch-Samoa.

Aber vor allem ist es die Geschichte von Alma.

Ihr seht also, es ist keine 0815-Geschichte sondern ein ganz besonderes Buch, welches auf jeden Fall unsere Aufmerksamkeit verdient hat und mit seinen knapp 600 Seiten ist es für 9,99€ auch bei weitem in einem super Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich würde euch ja gerne eine Rezension davon stellen, aber leider war das bei mir zeitlich nicht mehr drin, aber bei Gelegenheit werde ich das nachholen, denn ich persönlich freue mich schon sehr darauf es lesen zu dürfen.

So bevor ich mich jetzt aber vollkommen unter dem Südseemond vergehe, lasse ich euch doch mal besser an dem Interview mit Regina teilhaben, sonst wird das heute nichts mehr. Viel Spaß:

Sabrina:

Wie hast du dein Talent fürs Schreiben entdeckt?

Regina:

Irgendwann merkt man, dass man etwas gut kann. Man schreibt gerne. Dann schreibt man viel. Irgendwann liest man eine Geschichte, die man gerne selbst geschrieben hätte. Die Geschichten kommen von alleine. Sie finden dich. Und so entwickelt es sich allmählich.

Ich hab schon mit zwölf Jahren angefangen, zu schreiben, dann für die Schülerzeitung, dann als Freie Mitarbeiterin bei einer Zeitschrift, und so weiter. Ich glaube aber, dass es bei jedem Autor anders ist.

 Sabrina:

Du hast in der Laufbahn ja einige Veränderungen mitgemacht. Zuerst hast du einen Krimi verlegt, dann Kurzgeschichten und ganz aktuell einen Auswandererroman, der um 1900 spielt. Von diesem wird es März nächsten Jahres ja auch eine Fortsetzung geben. Würdest du sagen, dass du nun die Richtung gefunden hast, die dir liegt und Spaß macht oder bist du noch auf der Suche?

Regina:

Ich möchte mich gar nicht auf ein Genre festlegen. Ich schreibe, was mir gefällt und was ich selbst auch gerne lese. Und es ist definitiv so, dass die Geschichten zu mir kommen. Ich habe niemals nach dem einen Genre gesucht. Im Gegenteil: Wenn ich in verschiedenen Genres schreiben kann, ist das ein großer Schatz. Ein Talent und auch ein Zeichen dafür, dass ich das Schreibhandwerk beherrsche. Am ehesten kann ich sagen, dass ich gerne das schreibe, was ich gerne lese. Ich habe Ideen für jede Menge Bücher. Die Schwierigkeit liegt eher darin, mich zu begrenzen.

Aber natürlich muss man sich seinen Autorennamen aufbauen, bei den Lesern, und bei den Verlagen. Deshalb muss man sich eher beschränken.

Sabrina:

Wie kamst du gerade auf die Idee ein Auswandererszenario um 1900 zu schreiben? Was war deine Inspiration?

Regina:

Auswandern ist ja auch heute noch oder wieder ein interessantes Thema, auch wenn die Ausgangsposition heute eine ganz andere ist. Heute gehen nicht die armen Leute, die in anderen Ländern ihr wirtschaftliches Glück oder ihre religiöse oder politische Freiheit suchen.

Die deutschen Kolonien sind seit knapp zwanzig Jahren ein Thema, was mich zunehmend mehr interessiert hat. Die Vorstellung, Deutschland in der Fremde, ob nun Afrika, Asien oder in der Südsee zu finden, hat mich fasziniert. Deutschlands Kolonialgeschichte ist ja eher kurz und bescheiden, und dennoch unglaublich spannend.
Dass der Handlungsort Samoa – die Perle der Südsee, wie man sie damals nannte – wurde, hat dann etwas mit der gezielten Recherche zu tun, die ich für das Buch betrieben habe.
Hier gab es am ehesten die Verbindung nach Australien, die ich gerne wollte. Und mit keiner Kolonie verbindet sich diese träumerische Vorstellung von türkisblauem Meer, weißen Palmenstränden und wunderschönen Menschen mehr als mit Samoa. Gleichzeitig war hier aber ein großer Handelsposten und es gab die Briten und Amerikaner, die ebenfalls Anspruch auf die Inseln erhoben. Also, die idealen Voraussetzungen für einen Roman, der sowohl idyllisch, als auch spannend werden sollte.

Sabrina:

Du hast ja auch beruflich immer geschrieben für Presse und ähnliches. Hat das deine Lust privat auch noch zu schreiben gemindert oder war es eher ein großes Übungsfeld für dich?

Regina:

Wahrscheinlich habe ich mir die Jobs, in denen ich viel schreiben musste, ausgesucht, weil ich schon immer schreiben wollte. Wenn man etwas gerne tut, und auch gut kann, ist es ja keine zusätzliche Belastung. Dann ist es eher so, dass es eine Freude ist, endlich auch noch privat schreiben zu dürfen. Da spielt eher der Zeitfaktor eine Rolle. Die Lust ist da.

Sabrina:

Machst du auch Lesungen? Wenn ja, wann kann man sich von dir wieder begeistern lassen?

Regina:

Ich habe zum Erscheinen vom Südseemond einige Lesungen gemacht. In der Anfangsphase sind es immer mehr Veranstaltungen. Wenn im März 2015 „Der Glanz von Südseemuscheln“ erscheint, dann wird es sicher auch wieder mehr Lesungen geben.

Sabrina:

Wo wir gerade beim Lesen sind. Liest du selbst auch gerne? Wenn ja, was denn?

Regina:

Ich lese furchtbar viel und quer Beet. Gerade lese ich die >Tribute von Panem<. Davor einen deutschen Thriller, davor einen amerikanischen Mysterie-Thriller und einen historischen Roman von einer netten HOMER-Kollegin.

Zudem lese ich natürlich furchtbar viel Sekundärliteratur, die ich für meine Recherche brauche. Im Moment lese ich ein Buch über das Leben von Seeleuten im 19. Jahrhundert. Das ist auch furchtbar spannend.

Sabrina:

Natürlich kann sich im Leben nicht alles um Bücher drehen. Was treibst du denn, wenn du gerade nicht arbeitest?

Regina:

Ich schwimme für mein Leben gerne, ich reise gerne, wenn das Portemonnaie es zulässt. Und am liebsten verbringe ich meine Zeit mit Freunden. Ach ja, erwähnten ich, dass ich verheiratet bin? Die meiste Zeit verbringe ich mit meinem Mann, am liebsten auf der Terrasse oder im Garten. Dort mache ich meinem Namen wirklich alle Ehre.

Sabrina:

Wenn du abseits der Arbeit unterwegs bist und deinen Hobbys nachgehst, lässt du dann die Arbeit komplett außen vor oder hast du immer etwas zum Schreiben dabei, um Eingebungen und Ideen festhalten zu können?

Regina:

Absolut. Ich hab immer und überall einen Block dabei, oder spreche Ideen auf mein Handy. Neben meinem Bett liegt griffbereit eine Kladde, um auch nachts schnell Ideen aufschreiben zu können. Zur Not schreiben ich auch auf Taschentücher oder zerreiße Papierpackungen, wenn ich nichts anderes zur Hand habe. Es ist extrem ärgerlich, eine gute Idee zu vergessen.

 Sabrina:

Du bist ja selbst studierte Germanistin. Würdest du sagen, dass es dir viel geholfen hat für deine Schriftstellerei oder läuft das eher unter nice to have?

Regina:

Nice to have. Ich habe zwar das Analysieren von Text gelernt, was mir tatsächlich auch ein wenig weiterhilft. Aber was ich gar nicht gelernt habe, ist Schreiben.

Da bin ich ein wenig neidisch auf die Anglistikstudenten in Amerika. Die müssen während ihres Studiums Schreiben lernen. Dort steht das Schreiben auf einer professionelleren Basis. Das kommt hier in Deutschland gerade erst seit ungefähr zehn Jahren.

Schreiben und gute und spannende Geschichten zu erzählen, muss man lernen, aber man kann es aber auch lernen. Das ist ein wichtiger Tipp für Nachwuchsautoren: Einfach nur schreiben und glauben, das reicht, ist fatal. Es sei denn, man will nur für sich schreiben, dann ist es okay. Man kann Schreiben lernen, man muss es aber auch lernen. Und gut schreiben beginnt mit: viel lesen!

Sabrina:

Was würdest du einem Jungautoren an Tipps mit auf den Weg geben, wenn er dich um Rat frägt? Würdest du es überhaupt tun oder setzt da auch ein gewisses Konkurrenzdenken ein?

Regina:

Ich weiß, dass es viele Autoren gibt, die so ticken – Konkurrenzdenken. Ich finde das blöd. Ich hätte mir gewünscht, dass ich in meiner Anfangszeit mehr Autorenkollegen begegnet wäre, die mir Dinge erklärt hätten. Wann immer ich z.B. auf Seminaren, Lesungen oder Autorentreffen bin, erzählen ich gerne und freimütig.

Was ich natürlich nicht machen kann, ist eine persönliche Autorenberatung. Ich bekomme des Öfteren per Mail oder auf Facebook Fragen gestellt. Oft auch Fragen von so grundsätzlicher Art, die jetzt gar nichts mit persönlichen Erfahrungen im Verlagsbereich zu tun haben, die ich schlichtweg aus Zeitgründen nicht beantworten kann. Ich kann mal gerne eine Stunde bei einem Autorentreffen etwas erzählen, aber ich kann nicht jeden Tag zwei Stunden auf Facebook hin und herschreiben. Das geht einfach nicht.

Mein erster Tipp ist immer: jeder, der sich wirklich fürs Schreiben interessiert, sollte gute Seminare besuchen und sich mit anderen Autoren vernetzen. Wirklich: Besucht gute Seminare! Zum Beispiel bei der Bundesakademie in Wolfenbüttel oder die Leipziger Textmanufaktur.

Mein zweiter Tipp: Und es gibt viele gute Infoseiten, wie z.B. die Seite von Petra Schier oder bei der Autorenwelt, da bekommt man schon einen guten Einblick in die Branche.

Mein dritter Tipp: Wenn man ernsthaft, also professionell, schreiben will, sollte man eins können: Recherchieren! Man kann sich ziemlich viele Infos schon im Netz finden. Man muss sich nur selbst die Arbeit machen.

Sabrina:

Möchtest du deinen Lesern abschließend noch irgendetwas sagen?

Regina:

Es ist ein wahnsinniges Gefühl, wenn man merkt, die Geschichte, für die ich mein Herzblut gegeben habe, kommt beim Leser an. Es gibt kaum ein schöneres Gefühl, mitzuerleben, wie die Figuren in den Köpfen der Menschen lebendig werden. Wie die Emotionen fremde Menschen mitreißen, um ein Teil meiner Geschichte zu werden, das begeistert mich immer wieder aufs Neue. Wenn ich lese, dass jemand für meine Geschichte früher aufsteht, oder einen Termin sausen lässt, oder statt mit dem Auto zu fahren, den Zug nimmt, damit sie mein Buch zu Ende lesen kann, ist das ist phänomenal. Ich danke euch dafür!

Vielen lieben Dank Regina für das Interview und deine Zeit. Es hat mir viel Spaß gemacht und ich wünsche dir auf deinem Weg weiterhin viel Erfolg und viele Leser.

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