Jennifer Bentz – Wenn alle Stricke reißen

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Titel: Wenn alle Stricke reißen

Autor: Jennifer Bentz

Verlag: Ullstein

Genre: Roman

Seiten: 352

ISBN: 978-3-548-28647-1

Das Leben von Tine, Vivien und Lea läuft nicht gerade rund. Tine hat quasi Angst vor Allem, Vivien steckt mitten in einer Depression und Lea ist eine absolute Cholerikerin. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie sich im Wartezimmer eines Therapeuten kennenlernen. Doch was danach geschieht ist wie ein Wink des Schicksals. Ihr gemeinsamer Therapeut hat sich an diesem Morgen erhängt und für die drei Abschiedsbriefe dagelassen. In jenen gibt er ihnen quasi den Auftrag sich gegenseitig zu helfen. Da alle drei auf irgendeine Art ein Wohnungsproblem haben, beschließen sie, noch während sie auf auf der Polizeiwache auf die Aufnahme ihrer Aussage warten, zusammenzuziehen. Bereits am nächsten Tag ist es soweit und die Psycho-WG der Mädels nimmt Gestalt an. Doch damit es nicht nur ein Wohnprojekt bleibt machen die Drei auch gleich noch einen Plan, wie sie ihre Erkrankungen in den Griff kriegen können und verfolgen nun ehrgeizig ihre Ziele. Und sollte einer doch mal der Ehrgeiz ausgehen und die negativen Gedanken wieder hochkommen, dann treten ihr die Beiden anderen gehörig in den Hintern. Ob das gutgehen kann?

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Das Cover an sich ist bunt und fröhlich und steht sehr im Kontrast zu der eigentlich ernsten Thematik des Inhaltes. Doch da das ganze Buch auch irgendwie so gestaltet ist, dass es das Thema witzig und lustig rüberbringt, passen die Farben prima. Die 4 Beinpaare oben haben mich allerdings etwas irritiert. Bei dreien könnte es sich um die Beine der Protagonistinnen handeln, welche im Gleichschritt marschieren. Das linke Beinpaar jedoch steht irgendwie im Weg und ist in die andere Richtung gerichtet. Man könnte es noch als ihre Angst sehen, welche versucht sich ihnen in den Weg zu stellen, allerdings ist das reine Spekulation und ich verstehe es nicht so ganz.

Die Protagonistinnen an sich waren charakterlich alle sehr verschieden. Tine war überängstlich, aber auch sehr hilfsbereit. Sie hatte für jedes Problem ihrer Freundinnen eine Lösung bzw eine Idee oder einen Ansprechpartner dafür. Mir war sie am sympathischen. Vivien mit ihren Depressionen und ihrer Kleptomanie war mir irgendwie am unsympathischen. Ich kann nicht genau sagen warum, aber eines der Dinge, die mich an ihr gestört hat, war, dass sie ihre moralischen Anwandlungen immer dann bekommen hat, als sie am unnötigsten waren und dafür zu den Zeiten, wo sie nötig gewesen wären wiederum sich keine Gedanken gemacht hat. Dennoch war sie mir nicht unsympathisch. Ich mochte sie eben nur am wenigsten. Lea war eine Cholerikerin wie es im Buche steht, ständig wegen den kleinsten Kleinigkeiten am Ausflippen und nie die Schuld bei sich suchen. Dennoch hatte sie das Herz am rechten Fleck und hat die WG überhaupt erst möglich gemacht.

Die Idee hinter dem Buch hat mir sehr gut gefallen. Es befasst sich auf eine lustig und unterhaltsame Art mit einem sehr ernsten Thema, welches in der Gesellschaft heute aber immer noch lieber totgeschwiegen wird. Auch die Probleme mit den psychische kranke Menschen konfrontiert werden aus der Gesellschaft und Vorurteilen heraus werden angesprochen und kommen nicht zu kurz. Das Buch lädt ein sich zu amüsieren und dennoch einen neuen Blick auf psychische Krankheiten zu bekommen. Es ist kein Fach- oder Sachbuch oder nimmt es gar für sich in Anspruch Leuten zu sagen, was sie zu tun haben oder Tipps zu geben, sondern will einfach unterhalten und dabei diese Themen lustig und unterhaltsam auf eine gut fundierte realistische Art an den Leser bringt. Der Schreibstil ist locker, leicht zu lesen und macht einem zusätzlich Spaß. Bei diesem Buch wurde sehr vieles richtig gemacht. Einziges Manko aus meiner Sicht ist das Ende, welches vielleicht aus Sicht eines Psychos nicht ganz stimmig war aber für die breite Romanleserschaft in dieser Form so sein musste.

Daher gibts von mir auch eine Leseempfehlung und

5 von 5 Punkten.

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