Interview mit Jürgen Seibold

Hallo ihr Lieben,
nachdem ich bereits an zwei Leserunden zu Jürgen Seibolds Büchern teilgenommen habe, wird mir nun die Ehre zu Teil, dass ich ein Interview mit ihm führen darf. Für mich persönlich ist dieses Interview etwas sehr außergewöhnliches, denn Jürgen ist schon ein Autor der Superlative, was seine Zeit in diesem Beruf und auch die Anzahl seiner Veröffentlichungen angeht. Daher freut es mich umso mehr, dass er mir soviel Vertrauen entgegenbringt und ich euch dieses Interview präsentieren darf. Daher spanne ich euch nun auch nicht mehr länger auf die Folter und lege mal los:

Das hier ist Jürgen:

Seibold2014-01

Copyright by Stefanie de Buhr

 Jürgen Seibold, Baujahr 1960, hat sich von Grund auf dem Schreiben verschrieben und begann seine Karriere 1983 als freier Journalist. Er arbeitete nicht nur für verschiedenste Regionalblätter sondern auch für namenhafte Zeitungen und Zeitschriften wie Computer Bild, Stern und Süddeutsche. Außerdem hat er einen eigenen Verlag für Mediengestaltung (Seibold Medien). 1989 begann er mit der Veröffentlichung von Musikerbiografien, z.B. über Bryan Adams, Die Toten Hosen und die Kelly Family. Außerdem gehörten Sachbücher über Filmthemen und DVD-/CD-Kritiken zu seinem Repertoire. Seit 2007 schreibt Jürgen auch Unterhaltungsliteratur. Es begann alles mit dem Krimi „Endlich ist er tot“ aus der Endlich-Reihe. Allein diese Reihe hat es bis heute auf 7 Bände geschafft, doch sie ist nicht die Einzige. Es gibt außerdem eine Krimireihe rund um den ermittelnden Bestatter Froehlich (bislang 4 Bände), eine um den LKA-Beamten Stefan Lindner (bisher 3 Bände) und eine bis jetzt 3 bändige Reihe mit Kommissar Hansen in der Hauptrolle. Außerdem hat er noch einen historischen Roman (Der arme Konrad) und einige Komödien veröffentlicht. Als wäre das nicht genug wurden auch noch einige Theaterstücke von ihm gezeigt, so dass man wirklich sagen kann, dass Jürgen ein Ausnahmeautor ist. Privat ist er verheiratet und hat 2 Söhne.

Ich selbst habe 2 seiner Bücher gelesen und rezensiert:

  1. Der arme Konrad (historisch)
  2. Landpartie (Hansens dritter Fall)

 

Hallo Jürgen, schön, dass du dir die Zeit nimmst und dich für ein Interview zur Verfügung stellst. Ich freu mich wirklich dich bei mir zu haben. Ich muss dich auch gleich mit der ersten Frage überfallen, denn ich habe einfach nur noch Bauklötze gestaunt als ich die Menge deiner Veröffentlichungen und die kurzen Zeitabstände gesehen habe. Wie machst du das? Woher nimmst du die ganzen Ideen und vor allem wie schaffst du es soviel und so gut zu schreiben, dass du diese enormen Mengen an Veröffentlichungen schaffst?

Na ja, seit ich 2012 das Romaneschreiben zu meinem Hauptberuf gemacht habe, mache ich ja den lieben langen Arbeitstag über nichts anderes mehr – da kommt dann schon der eine oder andere Satz zusammen. Ideen habe ich noch reichlich, manche tragen nur eine Kurzgeschichte, aber auch für Bücher habe ich noch genügend Pläne und Konzepte. Und wenn man mal ins Erzählen kommt, läuft es halt. Wenn dann noch Bücher dabei herauskommen, die dir und anderen gefallen: sehr schön, freut mich – und da mach ich doch gleich noch viel lieber damit weiter.

Du schreibst überwiegend regionale Geschichten. Hat das einen bestimmten Grund, warum du dich so explizit deiner Heimat als Schauplatz verschrieben hast?

Das ist eher dem Umstand geschuldet, dass mein erster Roman 2007 im Silberburg-Verlag ein Regionalkrimi war. Der lief gut, der nächste auch – und dann kam der Verlag mit der Idee, doch mal eine Regionalkomödie zu schreiben. Da kommt dann eins zum anderen. In meinem Psychothriller KINDER, meinem ersten Buch für den Piper-Verlag, war das etwas anders: Der spielte in einer fiktiven Stadt irgendwo in Baden-Württemberg – aber um ehrlich zu sein: Auch da hatte ich während des Schreibens einen bestimmten Ort vor Augen. Inzwischen ist das auch etwas weiter gefasst: eine meiner Krimiserien spielt im Allgäu, und ich hätte da schon auch noch ein paar Ideen zu Schauplätzen ganz woanders …

Wenn ich in deiner Bibliographie so zurückblicke, dann hast du ja sehr lange eher Sachbücher und Biographien geschrieben. Wie kam es dazu, dass du den Schritt in die Unterhaltungsliteratur gewagt hast?

Ich bin gelernter Journalist, habe mich dann als Musik- und Filmjournalist selbstständig gemacht, und daraus hat sich der erste Auftrag für eine Musikerbiographie ergeben. Das war toll damals, eine großartige Chance, mal länger an einem Thema dranzubleiben. Aber vor allem die Biographien, die ich nicht mit den Musikern oder Bands zusammen, sondern nur über sie geschrieben habe, brachten viel Arbeit daran mit sich, auch ja alle Zitate und Quellen sauber zu belegen, damit einem niemand an den Karren fahren kann. Na ja … du kannst dir vermutlich vorstellen, wovon ein Autor dann zu träumen beginnt, wenn er mal wieder seitenweise Quellenverzeichnisse schreibt: von Geschichten, die er selbst erfinden darf und nicht großartig mit Zitaten belegen muss.

Schreibst du heute auch noch Musikerbiographien und Sachbücher oder hast du mit diesem Kapitel abgeschlossen und hast dich vollends der Unterhaltungsliteratur gewidmet?

Vor einer Weile habe ich mal wieder an einer Musikerbiographie mitgeschrieben, weil einem Kollegen der Terminkalender um die Ohren geflogen. Das hat Spaß gemacht, aber an Romanen habe ich inzwischen noch mehr Freude.

In großes Erstaunen hat mich auch die Tatsache versetzt, dass du neben Krimis auch noch einen historischen Roman geschrieben hast und Komödien schreibst. Wie kriegst du den Spagat zwischen diesen vollkommen verschiedenen Genres, die sich ja nicht nur durch die Geschichten, sondern auch durch anderen Stil und Techniken unterscheiden hin?

Ach, so unterschiedlich ist das gar nicht. Ich recherchiere für alle meine Bücher recht gründlich – das gilt für Krimis und für Komödien, und mehr noch für den historischen Roman. Der hat mir meinen Terminplan ordentlich durcheinander gebracht, weil man da ja nicht einfach mal nach Stuttgart oder ins Allgäu fahren kann, um sich eben mal was anzusehen – 1500 ist ziemlich weit entfernt … Mehr Unterschied macht der Stil, in dem die Genres erzählt werden – wobei sich meine Krimis und die Komödien in manchem ähnlich sind, weil ich auch in den Krimis gerne ein bisschen Humor unterbringe. Der historische Roman war da anders – witzigerweise hatte ich das Gefühl, dass ich während des Schreibens von DER ARME KONRAD allmählich in einen saftigeren, deftigeren Stil geraten bin. Es war interessant, das an mir zu beobachten.

Ich weiß schon, dass es heutzutage ja schon fast verpönt ist von Geld zu reden, aber mal ehrlich: Kann man von der Unterhaltungsliteratur wirklich besser leben als von Sachbüchern oder verkaufen sich diese doch besser als man bei den Worten „Sachbuch“ und „Biographie“ schätzen würde?

Mit dem Vergleich tu ich mir schwer. Mein bisher bestverkauftes Buch ist immer noch eine meiner Musikerbiographien, die ging gut 300.000 mal über die Theken und hat entsprechend Tantiemen eingespielt. Ganz so weit bin ich mit meinen Romanen noch nicht, aber es darf gern in diese Richtung gehen. Sachbücher oder Biographien musst du außerdem sicher unterteilen nach den Themen, die sie behandeln: Wenn Hape Kerkeling pilgern war und toll darüber erzählt, finden das natürlich mehr Leute spannend, als wenn jemand das Paarungsverhalten des Juchtenkäfers aufdröselt.

Wie integrierst du deine Familie eigentlich in den Alltag eines Schriftstellers? Ich stelle mir es bei der Vielzahl an Veröffentlichungen wirklich schwer vor noch Zeit für Familie und Freunde einzuplanen?

Das geht eigentlich – wobei man da mal meine Familie fragen müsste, vielleicht sehen die das anders. Aber im Grunde genommen habe ich einen normalen Arbeitstag: Morgens geht‘s an den Schreibtisch, mittags wird gegessen, nachmittags wieder geschrieben, recherchiert und telefoniert, abends ist frei – oder es steht eine Lesung an. Da bleibt schon noch Zeit für ein Privatleben. Ich glaube, anders würde das auf Dauer auch nicht gutgehen.

Nachdem du ja selbst Mediengestaltung anbietest, kam natürlich dann auch die Frage auf, ob du deine Cover alle selbstgestaltest. Erzähl doch mal!

Nein, die Cover gestalten die Verlage beziehungsweise deren Grafiker – ich finde, die machen das auch super. Natürlich werde ich gefragt, ob mir die Entwürfe gefallen, aber bisher konnte ich immer nur grinsend nicken. Was ich dagegen selbst bastle, sind die Plakate, Flyer und Onlinematerialien – und es macht Spaß, dafür gelegentlich wieder in einen meiner alten Jobs einzutauchen.

Hast du eigentlich besondere Rituale mit denen du ein abgeschlossenes Skript oder eine Neuerscheinung feierst?

Ach, nein – ein bisschen durchatmen, mal einen Tag oder zwei den Gang rausnehmen, mehr eigentlich nicht. Obwohl … eins fällt mir doch ein: Ich höre gerne eine bestimmte CD, während ich ein Buch schreibe, und die dann immer wieder, um eine bestimmte Schreibstimmung zu halten. Wenn ich dann ein Buch fertig habe, höre ich mir diese CD noch ein-, zweimal an, ohne dabei irgendetwas zu arbeiten – dann ist sie wieder … „sauber“ und ich kann sie gelegentlich auch privat mal wieder hören, ohne sofort loszuschreiben.

Wir haben uns über die Leserunden auf Lovelybooks kennengelernt. Warum genau veranstaltest du diese eigentlich? Was nimmst du als Autor aus den Kommentaren der Leser mit und inwiefern hilft dir das bei deiner Arbeit?

 

Ein Portal wie Lovelybooks ist eine schöne Möglichkeit, mit Lesern in Kontakt zu kommen, ähnlich wie mit meinen Lesungen und den Buchtouren, die ich mit kleineren Gruppen zu meinen Romanschauplätzen unternehme. Ich hab das ganz gern – und du wirst ja gemerkt haben, dass ich mich recht fleißig an diesen Leserunden beteilige. Im Fall von Lovelybooks kommt noch dazu, dass einen da keiner anpampt, wie es manchmal online üblich ist. Wenn Kritik kommt, ist sie meistens sehr konstruktiv – manches kann man dann annehmen, um daraus zu lernen, und manches kann ich in der Diskussion vielleicht auch so erklären, dass verstanden wird, was ich mit diesem oder jenem Detail eigentlich gemeint habe. Tja, und wenn eine solche Erklärung nötig ist, weiß ich auch gleich: Das hättest du im Buch wohl besser formulieren können.

Bitte beantworte mir jetzt noch folgende „entweder – oder“ –Fragen:

  1. Prints oder eBooks?

Eher gedruckte Bücher – ich bekomme das Papierlesezeichen nie so richtig in den eBook-Reader.

  1. Schwarz oder weiß?

Für Espresso schwarz, für T-Shirts beides: mit schwarzen trete ich im Krimidinner auf, mit weißen bei meinen Lesungen.

  1. Frühling oder Herbst?

Frühling. Herbst ist schon auch schön, aber im Frühling geht einfach alles wieder so richtig los.

  1. Sport oder Couch?

Oje … eigentlich Sport, und dann landet man doch wieder nur auf der Couch …

  1. Krimi oder historischer Roman?

Meistens eher historische Romane – vermutlich, weil ich mit Krimis schon beruflich viel zu tun habe.

  1. Ehrgeizig oder anspruchslos?

Ich hoffe, dass beides auf mich zutrifft: Ehrgeizig bin ich, wenn es darum geht, sich noch ein bisschen mehr Mühe mit einem Buch oder einer Geschichte oder einer Lesung zu geben – aber wenn man mit netten Leuten zusammensitzt, brauche ich sonst nicht mehr viel.

  1. Direkt und offen oder versteckt und angedeutet?

„Direkt und offen“ ist mir im persönlichen Umgang lieber, in den Krimis darf vieles lange natürlich nur angedeutet werden.

  1. Lego – ja oder nein?

Ich selbst schon länger nicht mehr – aber ich bin beeindruckt, wie gut meine Jungs alles Mögliche aus Lego bauen.

  1. Wein oder Bier?

Kommt drauf an: Grillen und Fußballschauen geht mit Bier besser, Gespräche und ein schönes Essen eher mit Wein.

  1. Wien oder Paris?

Oh: oder? Schade – ich finde beide Städte super.

 Nachdem ja dein neuster Krimi „Landpartie“ ein Fall für Kommissar Hansen ist, auf was dürfen wir uns denn als nächstes freuen?

In diesen Wochen (22. April) erscheint mit SAG NIEMALS NOI meine dritte in Stuttgart und Umgebung angesiedelte Komödie. Da lernen sich der Schwabe Nick und die Badenerin Lara (beide um die 30) kennen und lieben, zerstreiten sich und haben dann einen recht weiten und turbulenten Weg bis zum Happy-End. Der Ich-Erzähler Nick hat übrigens – wie der Titel vielleicht schon andeutet – einen kleinen James-Bond-Tick … Außerdem schreibe ich im Moment gerade den fünften Krimi um meinen Bestatter Gottfried Froelich (erscheint im Oktober) und danach den vierten Fall für Kommissar Hansen (erscheint im Januar). Mir wird‘s also bis auf Weiteres nicht langweilig.

Gibt es etwas, dass du deinen Lesern noch unbedingt sagen möchtest?

Danke fürs Lesen – und erzählt es weiter, falls euch eines meiner Bücher gefallen hat. Vielleicht sehen wir uns ja mal auf einer meiner Lesungen, oder ihr macht ein Krimidinner oder eine Wanderung durchs Buch mit?

Weil die Dinge einfach schöner sind, wenn sie mit einem Lachen enden, erzähl uns doch bitte zum Schluss das witzigste Erlebnis, dass du in deiner Autorenlaufbahn so hattest.

DAS witzigste Erlebnis wüsste ich jetzt gar nicht auf Anhieb, weil es immer wieder spaßige, skurrile und einfach schräge Sachen gibt, die mir begegnen. Immerhin kann ich das gleich im nächsten Buch verarbeiten – wie diese ziemlich spezielle Einlage: Eine Gruppe von politischen Aktivisten war der Meinung, dass mich einzelne Dialoge in meinem historischen Roman DER ARME KONRAD als Knecht des Kapitals und als obrigkeitshörig entlarven. Dazu haben sie dann immer wieder Handzettel verteilt – einer wurde auch mir in die Hand gedrückt, als ich nach einer Lesung nach Hause ging. Ich hätte dem guten Mann gern verraten, wem er da diesen Handzettel gegeben hat – aber der war leider schon wieder hinter der nächsten Hausecke verschwunden. Ihr könnt ja mal SAG NIEMALS NOI daraufhin durchlesen, was daraus in der Komödie geworden ist.

Vielen Dank für deine Zeit und für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen, Jürgen und natürlich viel Spaß und Erfolg weiterhin.

Danke, das hat Spaß gemacht. Vielen Dank für die guten Wünsche – und mach du bitte unbedingt mit deinem Blog weiter! Viel Erfolg damit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.