Stefan Schweizer – Goldener Schuss

goldener

Titel: Goldener Schuss

Autor: Stefan Schweizer

Verlag: Gmeiner

Genre: Regionalkrimi (Oberschwaben)

Seiten: 318

ISBN: 978-3-8392-1688-0

Enzo Denz ist ein ehemaliger Elitesoldat mit italienischen Wurzeln, der seinen Unterhalt als Privatdetektiv in Ravensburg verdient. Allerdings sind die Schrecken des Krieges und der Taten, die er begehen musste, nicht völlig spurlos an ihm vorübergegangen, denn er trinkt gerne mal einen über den Durst und raucht auch mal nicht ganz legale Substanzen, um die Stimmung zu heben und Stress zu vermeiden. Eines Tages erhält er von einem türkischen Unternehmer den Auftrag dessen Tochter zu suchen. Sie sei ins Drogen- und Rotlichtmilieu abgerutscht und wird von einem Rocker bedroht dem sie 50.000€ schuldet. Zwar schafft er es die Gesuchte in einem einschlägigen Lokal zu finden, allerdings ist diese schon tot. Gestorben durch einen goldenen Schuss. Obwohl die Polizei, angeführt von einem Kriminalhauptkommissar, auf den Enzo nicht gut zu sprechen ist, die Sache als Unfall bzw. Selbstmord abtut und den Fall zu den Akten legt, ermittelt Enzo weiter. Den er hat kurz bevor er sie gefunden hat ein verdächtiges Motorrad vom Tatort wegfahren sehen. Bei seinen Ermittlungen macht er sich eine Menge Feinde und deckt ein Komplott auf, dass in die höchsten politischen Kreise geht.

Im Gegensatz zu dem Buch kann ich mit dem Cover überhaupt nichts anfangen, denn es sagt nichts über den Inhalt aus und würde genau so gut zu irgendeiner romantischen Schnulze passen. Wirklich schade, denn es hätte mehrere Motive gegeben die einen Platz auf dem Cover verdient hätten und diese Landschaftsaufnahme gut ersetzen hätten können. In dem Buch dreht sich alles um Drogen, Gewalt, Korruption, Menschenhandel, Erpressung und Prostitution. Die einzige Aussage die dieses Cover treffen könnte ist, dass auch in einer idyllischen Gegend wie Oberschwaben, solche Dinge geschehen könnte und dass der Schein des Covers trügt. So gesehen würde es vielleicht doch ganz gut passen, wobei ich etwas anderes passender gefunden hätte, weil das Cover mich einfach nicht anspricht.
Der Titel hingegen passt zu der Handlung, auch wenn der goldene Schuss, im Verlauf der Geschichte eine Nebenrolle einnimmt, da Enzo einer viel größeren Sache auf der Spur ist. Dennoch ist der Mord an der türkischen Frau seine Motivation und sein Antrieb immer weiter zu machen.

Enzo Denz ist ein sehr zwiespältiger Charakter und ich muss mehr als einmal den Kopf schütteln. Einerseits scheint ihm die ganze Welt egal zu sein, Hauptsache er hat seinen Spaß. Er säuft, kifft, interessiert sich nicht wirklich für irgendwelche Gesetze, sondern übt ab und zu lieber Selbstjustiz. Außerdem hat eine Affäre mit der Frau des Polizeipräsidenten. Als moralisches Vorbild sollte man ihn also wohl besser nicht heranziehen. Auch war es wirklich schwer ihn in der Rolle eines Elitesoldaten zu sehen. Dafür ist er meines Erachtens viel zu dickköpfig und nicht geduldig genug. Er will am liebsten immer mit dem Kopf durch die Wand. Ungeachtet in welche Gefahren er sich begibt und welche Konsequenzen sein Handeln hat. Um sein Ziel zu erreichen bricht er auch öfter das Gesetz, was ihn ins Visier der Staatsmacht bringt und stochert in einem Wespennest herum, dass mehr als einmal negative Folgen für ihn hat. Seine Sturheit und Hartnäckigkeit haben jedoch auch positive Seiten. So gibt er, ungeachtet was mit ihm passiert niemals auf und setzt seine Ermittlungen fort. Er hat enorme Nehmerqualitäten, die eine Ausbildung zum Elitesoldat schon plausibler machen. Bevor ich mich hier jedoch um Kopf und Kragen reden sage ich einfach das Enzo ein sehr vielschichtiger Charakter ist und wohl einen Psychologen sehr lange beschäftigen könnte.

Die Idee hinter der Geschichte ist zwar auch nicht wirklich neu, denn Krimis mit dem Themen Menschenhandel, Drogen und Erpressung gibt es haufenweise. Allerdinge ist die Umsetzung wirklich interessant, was vor allem auf den Protagonisten zurückzuführen ist. Der Spannungsbogen ist immer ziemlich hoch, da es immer Schlag auf Schlag geht und da sich der Protagonist sich von einer gefährlichen Situation in die Nächste stürzt, hat man auch immer etwas zum Mitfiebern. Was mit gefallen hat ist, dass Enzo, obwohl er ziemlich oft arrogant aufgetreten ist, ordentlich einstecken musste und sich nicht wie Rambo durch die gegnerischen Reihen gemetzelt hat. Der Stil war angenehm zu lesen und man hatte das Buch relativ schnell durch. Was ich allerdings ein bisschen störend fand, waren die Aufzählungen, die immer wieder vorgekommen sind und irgendwelche Vergleiche oder Handlungsmöglichkeiten von Enzo dargestellt haben. Erstens haben sie einen immer wieder aus dem Lesefluss gebracht, da sie nicht wirklich schön ins Layout eingefügt worden sind und zweitens sind sie mir zu häufig verwendet worden. Im Gegensatz dazu stehen die Dialoge im Chat-Stil. Diese gab es auch ab und zu, waren allerdings um einiges angenehmer zu lesen und haben die Sache teilweise auch aufgelockert. Jedenfalls kann ich für Freunde von Krimis, die einen Antihelden in der Hauptrolle mögen, das Buch empfehlen und von mir gibt es

4 von 5 Punkten.

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