Blogtour “Der Stern von Erui” von Sylvia Rieß Tag 1 / Teil 2

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Noch ehe ich ein „Herein“ zustande bringe, steht Thomas auch schon in meinem Büro. „Ein krasser Fall“ tut er seine Meinung kund und ich nickte zustimmend. Er reicht mir eine Tasse Kaffee und einen Schokodonut. „Falls du noch Fragen hast, der Chef kommt heute Mittag auf einen Sprung vorbei. Danach können wie alles Weitere für die Aussage nachher besprechen“, meint er, während mein Blick zunehmend verwirrter wird. „Von welcher Aussage redest du?“, frage ich, wobei ich den Donut schnell esse, denn wer weiß, wann dafür wieder Zeit ist.

Thomas mustert mich zunächst sehr ausgiebig und bleibt mir eine Antwort schuldig. Als ich schon anfange zu überlegen, ob ich es etwas falsch gemacht habe, tippt er schließlich auf das Foto von Fenia. „Sie kommt nachher mit ihren Eltern vorbei“, sagt es und verschwindet zur Tür hinaus, während mein Blick noch einmal auf das Datum des Fotos fällt, welches vor zwei Wochen lautete.

Da ich noch ein wenig Zeit bis Mittag und damit auch bis Matthäis Ankunft habe, mache ich mir auf meinem Block weitere Notizen, damit ich auch ja keine meiner Fragen vergessen würde.

 

Mittagsbesprechung

Thomas, einige Kollegen, die ich noch nicht kannte, und ich haben uns in Matthäis Büro eingefunden. Natürlich hat der Alte nichts Besseres zu tun, als mich gleich einmal zu prüfen und lässt mich für die Kollegen die Geschehnisse vor 4 Jahren zusammenfassen. Danach übernimmt er selbst und setzte sie über die neuesten Ereignisse in Kenntnis. Leider verrät er dabei kaum mehr als ohnehin schon in der Akten stand.

Als es endlich ans Fragenstellen ging platze ich bald, denn ich bin entsprechend vorbereitet und habe mir schon soviel den Kopf zerbrochen, dass ich unbedingt Antworten benötige. Natürlich habe ich mir auch meinen Notizblock wieder bereit gelegt, so dass ich auch alle Antworten mitschreiben kann, um nur nichts zu vergessen. Doch bevor ich loslegen kann, haben einige Kollegen noch Rückfragen zu den Geschehnissen vor 4 Jahren. Auch wenn die Dinge, welche in der Akte standen, mehr als dürftig waren, so versuchte ich sie doch mit  den Informationen zu füttern, in der Hoffnung, dass sie bald fertig wären und endlich ich an der Reihe war.

Dann war es soweit und ich schoss ein Bombardement an Fragen auf Matthäi ab. „Wer genau hat Fenia eigentlich gefunden und wo war das denn?“ Kaum hat Matthäi antworten können, dass Jan Karstens, ein Nachbarsjunge, die verletzte Fenia an dem kleinen Waldsee gefunden hat, wo man vier Jahre vorher diese Leiche entdeckte, schiesse ich schon weiter „Wie kam es eigentlich, dass man mit der Befragung 2 Wochen gewartet hat, anstatt sie im Krankenhaus durchzuführen?“ Unwirsch fährt mir der Chef über den Mund „Ich dachte, Sie hätten die Akten gelesen. Meinen Sie nicht, dass es eher an ein Wunder grenzt, dass nach den schweren Verletzungen in der Kürze der Zeit überhaupt eine Aussage machen kann. Knochenbrüche an allen Stelle, die Schädelverletzungen, Verdacht auf Gehirnblutungen und noch viel mehr. Jeder normale Mensch wäre damit nur eins – nämlich tot.“

Peinlich berührt schaue ich zu Boden. Ja er hat schon Recht, aber was muss er mich nun so blöd anmachen? Wut kocht in mir hoch und verdrängt die Scham langsam. Was fällt dem Alten eigentlich ein mich so blöd anzumachen? Schließlich ist das Mädchen auch sicherlich nicht aus dem Koma aufgewacht und sofort zur Klinik rausspaziert. Wenn man sie nach nur 2 Wochen entlassen konnte, dann hätte es sicherlich auch eine Möglichkeit zur Befragung gegeben, aber was solls. Sollte der Alte sich zusammenspinnen. Mühsam dränge ich die Wut zurück, hebe den Kopf und sehe ihn wieder an. Schließlich habe ich noch mehr Fragen.

 

Gibt es irgendwelche Hinweise auf den Aufenthaltsort von Fenia in den letzten Jahren?“ löchere ich daher weiter und versuche die Demütigung einfach zu übergehen. Resigniert schüttelt Matthäi den Kopf „Nein, es gibt weder Anhaltspunkte darüber wo sie war noch wie sie dort hingekommen ist. Gewiss ist nur, dass sie nicht gelaufen sein kann“. Ich nicke. Natürlich, mit diesen Verletzungen hatte sie sich sicherlich nirgendwohin bewegt, doch was war eigentlich mit den beiden Männern? „Gibt es irgendwelche Hinweise auf den Verbleib von Martin und Johannes? Oder gar Hinweise darauf, dass sie damit irgendetwas zu tun haben?“ Matthäi zuckt die Schultern „Da fragen Sie mich was. Keine Ahnung, wo die Beiden abgeblieben sind. Von ihnen fehlt weiterhin jede Spur. Dieser Martin jedoch steckt tief in der Sache mit drin. Fenias Kleidung war überall mit seinem Blut verschmiert. Zumindest das konnten wir bereits durch den Vergleich mit alten Laborproben abklären. Von diesem Johannes gibt es keine Spuren, aber es hätte mich auch gewundert, wenn er sich zu so einer Tat hätte hinreißen lassen. Das passt nicht zu seinem Profil. Trotzdem gab es früher nie etwas, was der eine von beiden ohne den anderen gemacht hat.“.

Frustriert seufze ich leise. Dieser Fall ist verworrener wie der gordische Knoten und es scheint überhaupt keine Möglichkeit zu geben, ihn zu lösen. Ich setze zu einem letzten Versuch an. „Wurde der Tatort denn untersucht? Hat man irgendetwas gefunden, dass mit dem Fall in Zusammenhang stehen könnte und einem weiterhelfen könnte?“Während ich auf die Antwort warte, gleitet mein Bild einmal mehr zu dem Bild von diesem Waldsee, der so viele Rätsel aufgibt.

Nebelsee

Waldsee (von Dorothee Rund – http://dorothee-rund.de)

Da nickt Matthäi endlich einmal und holt eine Box mit Gegenständen hervor. „Nun gefunden haben wir tatsächlich einiges. Nur was wir damit anfangen sollen, bleibt mir ein Rätsel. Vielleicht kann die Befragung von Fenia Aufschluss über diese seltsame Ansammlung von Gegenständen bringen.“

Er schiebt mir die Kiste zu. Mein Blick hinein lässt mich verstehen, was er mit kurioser Ansammlung meint. Darin befinden sich:

eine Halskette mit einem goldenen Kreuz

-ein goldener Ring

ein dunkelblauer, blutgetränkter Stofffetzen, scheinbar aus grobgewebten Leinen

ein weißlicher Kiesel, etwas durchsichtig, quarzähnlich, passt in eine Faust

ein Holzkästchen mit Schnitzereien

Nachdem es offensichtlich keine weiteren Fragen gab und ich mir die Erlaubnis eingeholt hatte die Sachen mit zur Befragung zu nehmen, machte ich mich damit auf in mein Büro. Dort begann ich anhand meiner Notizen und der Gegenstände Fragen für das Gespräch vorzubereiten.

Ende Teil 2 (Fortsetzung um 17 Uhr)

One Response to Blogtour “Der Stern von Erui” von Sylvia Rieß Tag 1 / Teil 2

  1. karin sagt:

    Hallo und guten Tag,

    schön, wie man als Leserin hier gleich voll im Geschehen drin ist.

    Bin gespannt auf Mehr…LG..Karin…

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