Blogtour “Der Stern von Erui” von Sylvia Rieß Tag 1 / Teil 3

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Nach der Besprechung mache ich mich noch einmal auf in mein Büro, um mir einen Plan über die Vernehmung zurechtzulegen. Nachdem ich die Fragen für Fenia vorbereitet habe, koche ich noch einmal Kaffee und esse eine Kleinigkeit, denn schließlich ist nicht abzusehen wie lange der Nachmittag wird. Danach bereite ich das Verhörzimmer vor. Normalerweise empfängt man Zeugen ja in seinem Büro, aber dieser Fall erscheint mir einfach zu komisch und ich ziehe den fensterlosen, kameraüberwachten Raum aus einem Bauchgefühl heraus vor.

Es dauert auch gar nicht lange und Fenia taucht zusammen mit ihrer Mutter auf. Auch wenn mir eigentlich ihre Eltern angekündigt waren, ist der Vater nicht in Sicht. Dies stört mich aber nicht weiter, denn Eltern neigen ohnehin dazu ständig dazwischen zu reden und es einem unnötig schwer zu machen. Daher ist mir diese Konstellation eindeutig lieber. Fenia ist eine dünne, sehr blasse junge Frau. An ihren Handgelenken kann man die Wundmale und Verletzungen immer noch mehr als deutlich erkennen. Kaum ist sie im Raum geht sie zu der Kiste mit den archivierten Gegenständen und stopft sie in einen mitgebrachten Lederbeutel. Mit den Worten „Das sind meine Sachen“ sind sie auch schon verschwunden, noch ehe ich so recht reagieren kann. Einzig ihr Verhalten mit dem Stein wundert mich ein wenig, denn obwohl sie es sehr eilig hat die Sachen an sich zu nehmen, fasst sie nicht diesen nicht mit der bloßen Hand an sondern benutzt den Leinenfetzen dazu.

Erst als sie die Sachen sicher verstaut hat, wendet sie sich zu Thomas, Matthäi und mir um. Auf die Frage, wie es ihr inzwischen geht, folgt nur ein langer, stummer Blick aus ihren blaugrüngrauen Augen. Dieser ist so durchdringend, dass ich ihn nicht ertragen kann und mich abwenden muss. Daher beschließe ich diese Frage zu übergehen und versuche es mit einer Anderen: „Fräulein Edani, könnten Sie mir bitte erzählen, was am Tag ihres Verschwindens vor 4 Jahren passiert ist?“. Doch statt Fenia antwortet ihre Mutter. Sie ist eine hübsche Frau mit einem dunklen Teint und schwarzem Haar, welches optisch so gar nicht zu dem honigblonden ihrer Tochter passen will. Doch ihre Schönheit wird durch ihre Verzweiflung getrübt als sie sagt : „Fenia hatte an diesem Nachmittag vor sich mit ihren Freunden zu treffen. Martin und sie hatten wohl ein paar Probleme von denen sie damals nie erzählt hat.“ Sie blickt zu ihrer Tochter, welche einfach nur still dasitzt und lediglich beim Namen Martin zusammenzuckt. Auf diese Frage habe ich leider nicht wirklich eine brauchbare Antwort erhalten, aber vielleicht klappt es ja mit meinen Nächsten besser. Doch egal ob ich sie frage wo sie war, wer sie so misshandelt hat oder wie sie sich befreien konnte, die Antwort ist jedes Mal nur eisiges Schweigen und ein Kopfschütteln. Doch schließlich erhebt sie ihre Stimme und sagt „Ich weiß das alles nicht. Genau das habe ich auch schon den Ärzten gesagt. Ich weiß ehrlich nicht, was ich hier soll, aber mit Matin und Johannes sind Sie auf dem Holzweg. Sie sollten die ganze Sache einfach auf sich beruhen lassen.“

 Danch möchte Fenia gerne gehen und die Sachen mitnehmen. Natürlich kann sie nicht einfach mit unseren Beweismitteln zur Tür hinausspazieren. Matthäi war schon lange aus dem Zimmer gegangen, denn er hatte wohl eingesehen, dass dieses Gespräch zu nichts führen würde. Thomas und ich würden jedoch nicht so schnell aufgeben. Es war offensichtlich, dass die Kleine etwas verbarg, hatte sie doch trotz ihrer angeblichen Gedächtnislücken Martin und Johannes gar zu schnell in Schutz genommen. Daher versuche ich es anders. Wenn man mit der verbockten Göre schon nicht reden konnte, dann wäre es vielleicht möglich mit ihr zu handeln. Ich zeige auf den Lederbeutel mit den Sachen und schlage ihr vor: „Wenn Sie uns verraten, was das für Sachen sind und wo Sie diese her haben, dann können Sie diese dafür auch mit nach Hause nehmen.“ Wütend schaut Fenia mich an und ihr Blick jagt mir einen Schauer über den Rücken. „Diese Sachen gehören mir und behandeln Sie mich gefälligst nicht wie ein dummes Kind. Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass ich Ihnen nichts zu sagen habe und dabei bleibt es. Darum jetzt zum letzten Mal und in aller Deutlichkeit: Wenn Sie überleben wollen, lassen Sie mich in Ruhe“

 Auf den ersten Blick bin ich etwas perplex, denn so ein Verhalten habe ich nicht erwartet, dann aber poltere ich los: „Fräulein Edani, bei allem Verständnis für ihre Situation, aber das geht zu weit. Sie können nicht nach Lust und Laune Menschen, und erst recht keine Beamten, bedrohen. Mäßigen Sie sich ganz schnell und geben Sie auf der Stelle die Beweismittel wieder her, sonst müssen wir diese leider mit Gewalt wieder an uns bringen“. Aus den Augenwinkeln sehe ich Fenias Mutter neben ihrer Tochter immer mehr erbleichen und die Frau tut mir wirklich Leid, aber es gibt nun einmal Gesetze und Regeln und an die müssen sich alle halten. Nachdem Fenia verbockt bleibt und sich weigert die Sachen wieder rauszugeben, winke ich einen Kollegen herbei, der ihr diese abnehmen soll. Doch kaum ist er bei Fenia angelangt und will nach der Tasche greifen, liegt er auch schon auf dem Boden. Diese zarte Person scheint enorm geschickt und kräftig zu sein, auch wenn man ihr es nicht ansieht. Aber auf jeden Fall wird es jetzt Zeit andere Geschütze aufzuziehen. Thomas sorgt dafür, dass er und der Kollege aus dem Raum kommen. Sie werden sich um die Verstärkung kümmern, während die unliebsame Aufgabe die Zeit zu überbrücken und einen letzten verzweifelten Versuch zu unternehmen Fenia zur Vernunft zu bringen, an mir hängen bliebt.

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Fenia (von Dorothee Rund – http://dorothee-rund.de/)

 Mit einem Blick auf Fenia beschließe ich, dass es wohl besser ist sich direkt an die Mutter zu wenden, denn die Kleine scheint mir nicht wirklich zurechnungsfähig zu sein. „Ich weiß, dass ihre Tochter volljährig ist, Frau Edani, und Sie damit rein rechtlich gesehen nichts zu sagen haben, aber Sie täten ihrer Tochter einen großen Gefallen, wenn Sie sie zu Kooperation bringen. Tätlicher Angriff gegen einen Polizeibeamten und Diebstahl von Beweismitteln sind keine Kavalliersdelikte sondern Straftaten und da man nach ihrem Unfall leider an ihrer Geisteskraft zweifeln muss, ist mein Kollege unterwegs die große Maschinerie einzuschalten. Groß ist in diesem Fall gleichbedeutend mit einer Menge Polizisten, die ihre Tochter zur Not auch zu zehnt überrennen und einer Zwangseinweisung in der Psychiatrie. Wobei…“ ich mustere Fenia kurz „…vielleicht ist das ohnehin der beste Ort für sie. Länger als eine halbe Stunde kann es kaum dauern bis die große Mannschaft samt Ärzteteam hier ist und…“ ich zeige auf die glatten Wände ohne Fenster und die schwere Metalltür, welche nur von außen geöffnet werden kann „… selbst wenn sie mich umbringt, raus kommt sie hier ohnehin nicht.“

 

Fenias Mutter nickt nur resigniert. Die arme Frau scheint selbst total überfordert zu sein mit ihrer Tochter. So wie sich das Mädchen verhält kann man es ihr aber auch nicht verdenken, denn ihr Verhalten erinnert wenig an ein Normales. Vielmehr an ein in die Enge getriebenes Tier, welches aus Verzweiflung auf Angriff geht. Als ich die Sache mit dem Diebstahl erwähne, fährt Fenia mich an: „Das sind meine persönlichen Sachen. Damit können Sie überhaupt nichts anfangen oder beweisen, weil Sie es ohnehin nicht verstehen können“. Einen Augenblick überlege ich, ob es Sinn macht ihr das Recht bezüglich Beweismittel zu erläutern, aber dann lasse ich es bleiben, denn das Mädchen macht mir nicht den Eindruck als wäre es für Fakten zugänglich. Sie scheint in ihrer eigenen Welt mit eigenen Regeln zu leben.

 

Endlich rückt das Team an und der Raum füllt sich langsam mit Männern in schwerer Montur, Sanitätern und Ärzten. Als sich einer der Ärzte schließlich Fenia nähren will und dabei beschwichtigend auf sie einspricht, beginnt auf einmal der Fußboden zu beben. Die Sachen, die bei dem Handgemenge mit dem Kollegen auf dem Boden gelandet sind, beginnen plötzlich wie von Zauberhand zu schweben und ehe ich mich versehen kann, hält Fenia alles wieder in den Händen. In dem Moment als mir auffällt, dass das blaue Tuch von dem Stein gerutscht ist und ihre Finger ihn berühren, hört man einen lauten Knall auf dem Gang. „Sie sind hier“ flüstert Fenia. Während diese sich im Raum umblickt verstehe ich nicht ganz, was sie meint, fühle aber eine unsagbare Kälte von der Türe aus über mich hinwegkriechen.

 

„Mama, geh da weg“ tönt Fenias Schrei durch den Raum, während im gleichen Moment die Tür auffliegt und zwei Gestalten in dunklen Roben stürmen in den Raum. Sie scheinen nur aus wabernden Schatten zu bestehen. Fenias Mutter flieht zur hinteren Wand des Raumes, aber ich stehe mitten vor den seltsamen Wesen. Eines der beiden hebt sein Schwert, während sie Fenia anvisieren.

 

Während ich noch versuche die Situation zu verstehen, merke ich, dass sich der Raum mit Nebel zu füllen beginnt. All das dauert nur ein paar Sekunden. Ich glaube schon, dass mein letztes Stündlein geschlagen hat und die Klinge mich jeden Moment zerteilen wird, als Fenia plötzlich vor mich springt. In der Hand hat sie auf einmal eine silberne Klinge mit der sie den Schlag des Schattens abwehrt. Bevor ich mich noch wundern kann, woher sie die Waffe hat, schlägt der Nebel über mir zusammen und ich habe das Gefühl zu fallen, während eine Stimme in meinem Kopf klingt „Vielleicht verstehst du warum ich schweigen muss, wenn du es mit eigenen Augen siehst“.

 Ende Teil 3

So ihr Lieben,

dass wars für heute erst mal von mir. Morgen geht die Tour direkt bei der Autorin weiter, da wir einen Ausfall zu verzeichnen haben. Viel Spaß weiterhin mit unserem Abendteuer und wir sehen uns am Tag 6 wieder.

Eure Sabrina

2 Responses to Blogtour “Der Stern von Erui” von Sylvia Rieß Tag 1 / Teil 3

  1. Sylvia sagt:

    an dieser stelle nochmal ein ganz liebes danke von mir an Sabrina. Ihr Beitrag als Start für die Tour war wirklich phänomenal. Sie hat sich toll viel Mühe gegeben.
    Auch organisatorisch hast du mich mal wieder super unterstützt. Dafür beide Daumen hoch.

  2. Cindy Piranhapudel sagt:

    Hallo Sabrina, du hast ganz tolle Beiträge verfasst. Das Lesen hat richtig Spaß gemacht, vor allem, da ich auch schon angefangen habe, das Buch zu lesen. Deshalb kann ich einiges auch schon einordnen und finde es gerade noch mal spannender. LG Cindy

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