Blogtour "Der Stern von Erui" von Sylvia Rieß Tag 6 / Teil 1

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Hallo ihr Lieben,

durch einen Ausfall konnte dieser Beitrag leider nicht von der Verfasserin selbst fertiggestellt und gehostet werden, so dass Sylvia den Beitrag fertig erstellt hat, den sie zusammen mit Kata Kat angefangen hat und ich das Hosting für euch übernehmen darf. Also seid gespannt wie die Reise weitergeht:

Ein weiteres Mal schrecke ich aus den Träumen hoch, die der goldene Nebel in meinem Kopf mir beschert hat. Man hätte eigentlich meinen können, dass ein ruhiger Tag in einem malerischen Wald meinem Geist etwas Ruhe beschert, aber Pustekuchen. Das Lied, welches die Bäume zu singen wussten, hat mich nur weiter erschüttert und noch mehr verstört.

Mit einem Blick stelle ich auch diesmal fest, dass ich mich nicht mehr dort befinde, wo ich am Vorabend eingeschlafen bin. Ich blicke von Rand eines Waldes hinab in ein Tal. In seiner Mitte liegt eine große Stadt und auf dem Hügel auf der anderen Seite der Stadt ragt das wohl furchterregendste Gebäude auf, dass ich je gesehen habe.

Nein, nicht weil es hässlich ist. Es ist filigran mit hohen Türmen, Bogengängen und einer gläsernen Kuppel in der Mitte, als wäre es substanzlos in den Himmel gewachsen. Doch es strahlt etwas aus, das ich nicht beschreiben kann. Die Bedrohung, die Angst, sie schnürt mir hier fast die Kehle ab.

Ich bin froh, als ich mich zur Seite drehe und dort einmal mehr die Gestalt des roten Einhorns erblicke.

Komm“, höre ich seine Stimme in meinen Gedanken „Ich werde dich nun in Sicherheit bringen.“

Ich sehe zu dem Schloss mit der düsteren Aura und frage mich, ob der flammende Fürst noch ganz bei Trost ist. Aber ich folge ihm stumm.

Wir gelangen auf einer gewundenen breiten Straßen in das Tal hinab und umrunden dann die Stadt um den Schlossberg auf der anderen Seite zu erklimmen. Hier führt der Pfad zwischen Rinder- und Pferdeweiden hindurch. Sie umgeben das Schloss im Norden komplett. Im Süden ragst der dichte grüne Wald bis vor die Mauern und hinter dem Schloss im Osten fällt eine Klippe steil zum einem rauschenden Fluss hinunter ab.

Während wir schweigend weitergehen, denke ich an die Worte, die ich von Fürst Lykill am ersten Tag meiner Reise hörte, dass dieses Bollwerk Sternenschloss genannt wurde, der Palast der großen Könige vergangener Tage. Kein prächtigerer Bau soll je in Erui gestanden haben!

Drache vor Talveymar

Talveymar von Dorothee Rund (www.dorothee-rund.de)

Ich schüttle mich, denn glauben kann ich das nicht so ganz. Ich sehe mich um. Die Mauern mit dem düsteren Hauch sind zu großen Teilen von weißen Fahnen verhängt.

Mittlerweile weiß ich es… sie hängen nicht für irgendwen, sondern für den Stern, den Erui Jahrtausende herbeisehnte und dann in einem unbedachten Moment an den Schatten verlor.

Alles ist sinnlos. Geht mir durch den Kopf.

Wir gelangen zu den Toren, die in diesen Tagen geschlossen sind. Wachen treten mir entgegen. Ich erwarte, dass Lykill es erklärt, doch wieder einmal ist er so plötzlich fort, wie er erschien.

Ich druckse herum, starre in das blaue Gesicht mit den goldenen Augen und stottere dann:

„Ich flüchte vor den Schatten und bitte um Einlass in das Schloss, um in Sicherheit zu gelangen.“ 

Ich frage mich noch, warum sie ausgerechnet mich in den abgerissenen Lumpen, die ich mittlerweile trage, herein lassen sollten, als der Hauptmann auch schon antwortet:

„Auf der Flucht sind viele. Doch es war der letzte Befehl Seiner Majestät niemanden abzuweisen, der hilfesuchend an Talveymars Mauern klopft. Diesem Wunsch entspricht sein Stellvertreter König Dûrowinn. Ihr könnt also eintreten, doch müsst ihr leider warten, bis sich jemand um euch kümmern kann, weil … 

„Hmhm“, vernehme ich ein Räuspern hinter dem Mann. Er schaut sich etwas verdattert um.

Da steht ein kleines Wesen in feinen Brokatgewändern mit spitzen Ohren, verkniffenen, wasserblauen Augen, einem runzeligen Gesicht und gewichtiger Mine. 

„Lasst gut sein, Hauptmann Glenn. Der Besuch wurde uns bereits angekündigt.“

Der Kobold lässt den verdatterten Wachhauptmann stehen und tritt vor mich.

Schlossportal

Das Schlossportal

„Willkommen auf Schloss Talveymar, Menschengeborener. Wie ich hörte haben unglückliche Umstände euch durch die Schleier getragen. Da es stets der Wunsch meiner Herrin war, jeden hier willkommen zu heißen, stehen euch die Tore der königlichen Feste offen.“

Ich bin völlig überfordert. Die prächtigen Schlösser, die ich in den vergangenen Tagen sah, waren entweder von Seuche und Elend erfüllt oder von Ungastlichkeit.

Jetzt und hier, an den wohl ungastlichsten Ort, den ich mir vorstellen kann, werde ich auf einmal mit offenen Armen empfangen.

Der Kobold stellt sich mir schließlich als Godwin vor. Er sei der Kammerdiener seiner Majestät und früher auch der der Königin gewesen. Wortlos folge ich ihm durch die hohen Eisenbeschlagenen Tore in einen riesigen Innenhof.

Ein großer freier Platz ist vor dem Aufgang zum Schloss angelegt, darum befinden sich kleinere Bauten, Handwerkshütten, Gesindehäuser, Stallungen, eine Garnison. Wir überqueren den Platz und ich folge dem Kobold die Doppeltreppe hinauf zu einem prächtigen Portal in das das Bild eines verschlungenen Baumes mit zwölf Sternen darüber geschnitzt ist.

Auf einer Wink des kleinen Wesens öffnen sich die Flügel und ich stehe mitten in einem großen Saal. Säulen, in Form von Baumstämmen winden sich zur hohen Kuppel. Wandreliefs treffen sich in den Spitzbögen der Decke. Ich staune, obwohl mich dieser kalte Hauch nicht verlässt.

Ihr hättet es noch in den alten Tagen sehen müssen“, kommentiert der Kobold meine Blicke, „als noch nicht der Fluch des Schattens auf diesen Mauern lag.“

Ich schlucke. Auch hier also, im angeblich sicheren Herzen der Welt, ist dieser Schatten präsent.

Godwin geleitet mich durch die erste Halle, der eine zweite noch Größere folgt. Sie ist von der gleichen verspielten Pracht. An ihrem Ende liegt eine große Empore ein wenig erhöht. Ganz hinten an der wand stehen zwei goldene Sessel. Der ganze Thronsaal ist mit weißen Fahnen verhangen. Nur in der Mitte über den thronen leuchtet mir das Banner von Arvindûras entgegen.

Zeuge dafür, wer derzeit Herr in diesen Hallen ist.

Bis zum Abendessen ist noch ein wenig Zeit“, kommentiert Godwin. „Gedenkt ihr euch auszuruhen, bevor ihr der Einladung Seiner Majestät folgt, oder wollt ihr, dass ich euch das Schloss zeige?“

Einladung?“, frage ich.

Ja, mein Herr bittet Euch heute Abend an seiner Tafel mitzuspeisen. Natürlich kam ihm zu Ohren, dass ein Menschengeborener derzeit in Erui weilt. Er entschuldigt sich, dass er nicht früher Zeit hat euch zu begrüßen, darum schickt er mich.“

Ich versuche mir vorzustellen, wie es sein wird, diesen König zu treffen. Doch ich habe noch immer kein Bild von ihm im Kopf. Dann komme ich zu Godwins Frage zurück. Ich erkläre, dass ich mich nicht müde fühle und sehr gern sehen würde, wo ich hier genau bin.

Ende Teil 1 – Mit Teil 2 geht es weiter um 12:00 Uhr

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