Lissa Evans – Miss Vee oder wie man die Welt buchstabiert

Missvee

Titel: Miss Vee oder wie man die Welt buchstabiert
Autor: Lissa Evans
Übersetzer: Sabine Roth
Verlag: List
Genre: Roman
Seiten: 352
ISBN: 978-3-471-35117-8
Preis: 18,00 €

London 1939: Der zweite Weltkrieg ist an seinem Anfang und in der Hauptstadt Großbritanniens werden die ersten Vorbereitungen getroffen. Es tritt ein Gesetz in Kraft, dass die Fenster verdunkelt werden müssen, sodass kein Licht nach draußen dringt, damit die feindlichen Luftwaffe keine leichten Ziele findet. Diese Maßnahme treibt die ehemalige Frauenrechtsaktivistin Mattie, die dafür auch schon einige Zeit im Gefängnis verbracht hat und nun langsam aber sicher der Demenz verfällt, in eine schwerwiegende Paranoia. Hilflos muss der 10-jährige Noel, der bei seiner Patentante lebt, mitansehen wie es ihr immer schlechter geht und sie am Ende durch einen schlimmen Unfall stirbt. Von seiner Tante und seinen Onkel aus London evakuiert, wird Noel von der chaotischen Vee in Pflege genommen. Eigentlich ist sie mit ihrem Leben und der Versorgung ihrer Familie völlig überfordert, doch für ihren Plan an Geld zu kommen braucht sie Noel und so bilden die beiden schon bald ein unschlagbares Team. Denn was Vee nicht erwartet hatte war Noels Intellekt und seine raffinierten Ideen.

Das Cover gefällt mir mit seinen verschiedenen Blautönen sehr gut und ist ein echter Hingucker. Die Regentropfen symbolisieren wahrscheinlich die stürmischen Zeiten in denen das Buch spielt, denn die Menschen leben ständig in Angst und Schrecken vor etwaigen Angriffen. Die Häuserzeile am unteren Ende zeigt außerdem eine der vielen Gassen und Straßen durch die Vee und Noel während der Geschichte laufen, um ihren Plan zu verwirklichen. Aus dem deutschen Titel werde ich allerdings nicht wirklich schlau und ich frage mich warum, dieser gewählt wurde. Buchstabieren hat mit der Geschichte nämlich rein gar nichts zu tun und auch wenn ich über mehrere Ecken denke, fällt mir nichts ein wie ich die Handlung mit dem Titel in Verbindung bringen kann. Da gefällt mir der englische Titel “Crooked Heart” um einiges besser, da er die Charaktere und deren Handlungsweisen beschreibt. Deshalb wäre mir eine Beschreibung, die sich mehr an den Originaltitel gehalten hätte, lieber gewesen.

In diesem Buch gab es nicht nur Noel und Vee als Hauptcharaktere, denn ich zähle auch Vee’s Sohn Donald hinzu, denn in der Geschichte laufen zwei Handlungsstränge nebeneinander her, die einerseits die Geschichte von Vee und Noel und andererseits die von Donald erzählen. Obwohl sich die beiden Parteien grundlegend unterscheiden, haben sie doch eines gemeinsam: Sie wollen Geld verdienen und ein gutes Leben führen. Um dieses Ziel zu erreichen scheuen sie sich auch nicht das Gesetz zu brechen bzw. es zumindest ein wenig zu verbiegen. Während mir Vee und Noel sehr sympathisch waren und die Dynamik, die zwischen diesen beiden Charakteren herrschte wirklich interessant und auch spannend war, hat mir Donald mit seiner Arroganz überhaupt nicht gefallen, auch wenn er sich zum Ende hin gewandelt hat und man ihn zumindest akzeptieren konnte.

Was mich an diesem Buch fasziniert hat, ist die Tatsache, dass es zwar keine wirklichen Höhe- bzw. Tiefpunkte hatte oder enorm spannend war, man es aber trotzdem nicht aus der Hand legen konnte, weil man mehr über die Geschichte von dieses ungleichen Paares erfahren wollte. Zwei Menschen, die ungleicher nicht sein können, die aber eine enorme Freundschaft verbindet, da sie das gleiche Schicksal teilen, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht erkennt. Es ist sehr tiefgründig geschrieben und so musste man auch ab und zu einiges sacken lassen, was mich allerdings in einen gewissen Zwiespalt gebracht hat, da ich doch eigentlich unbedingt weiterlesen wollte.

Anzukreiden hätte ich eigentlich nur eine Sache: Es gab Passagen in denen man Briefe von Vee’s Mutter an Regierungsmitglieder lesen konnte. Deren Sinn hat sich mir nie vollends erschlossen bzw. verstehe ich eigentlich nicht mal, warum sie eingebaut wurden, denn sie trugen nichts zur Geschichte bei und hätten genauso gut weggelassen werden können.

Das Buch war in einem sehr angenehmen Stil geschrieben, auch wenn die Angst des Krieges leider nicht vollends vermittelt werden konnte. Wie gesagt, es fehlte ein wenig die Spannung, aber wahrscheinlich war das Buch eher auf die Dynamik zwischen Noel und Vee ausgelegt und es ging hauptsächlich darum ihre Geschichte zu erzählen. Insgesamt kann ich diese Geschichte empfehlen, wenn einem unkonventionelle Protagonisten gefallen und vergebe

4 von 5 Punkten.

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