Susan Abulhawa – Als die Sonne im Meer verschwand

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Titel: Als die Sonne im Meer verschwand
Autor: Susan Abulhawa
Übersetzer: Stefanie Fahrner
Verlag: Diana Verlag
Genre: Roman
Seiten: 385
ISBN: 978-3-453-29170-6
Preis: 19,99€

Die Palästinenserin Nazmiyyah lebte glücklich mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf, bis zu jenem Tag an dem Soldaten aus Israel angriffen und sie zur Flucht zwangen. Ihre Schwester und ihre Mutter ermordet, ihr Bruder verstümmelt und sie selbst von den Soldaten geschändet, versucht sie an der Seite ihre Mannes wieder ins Leben zurückzufinden. Dabei hilft ihr eine Vision ihrer kleinen Schwester, in der sie Nazmiyyah bittet eine Tochter zur Welt zu bringen um ihr einen bestimmten Namen zu geben. Gleichzeitig sucht ihr Bruder Mamdouh das große Glück in der Ferne und schafft es am Ende sogar nach Amerika auszuwandern. Jahre später reist seine Enkeltochter, die einiges in ihrem jungen Leben auszuhalten hatte, zurück in seine Heimat um dort den Jungen Khaled zu helfen, der schwer krank ist. Gleichzeitig ist sie auch auf der Suche nach der Familie ihres Großvaters und nach einem Ort an dem sie ihr Leben verbringen kann. Wird sie ihre Ziele erreichen?

Das Cover zeigt eine Frau, die den Blick in den Himmel gerichtet hat. Vom Aussehen her ist das höchstwahrscheinlich Nur, die sich ihre ersten Eindrücke vom Heimatland ihres Großvater macht. Im Hintergrund ist eine Stadt zu sehen und auch das Meer, dass in diesem Buch eine große Bedeutung spielt. Die Schnörkeleien am oberen Rand geben dem Cover noch das gewisse Etwas und man riskiert in der Buchhandlung vielleicht auch einen zweiten Blick. Das Cover passt zu dem Buch und ist gut gewählt. Der deutsche Titel hat zwar einen gewissen Bezug zu dem Buch, aber nicht annähernd den, welcher der englische Titel “The blue between sky and water” hat. Warum man diesen nicht eins zu eins ins Deutsche übersetzt hat, gibt mir ein Rätsel auf, denn meiner Meinung nach, würde so ein kryptischer Titel auch für Interesse sorgen. Ebenso ist der Klappentext ein wenig irritierend, denn er impliziert, dass sich dieses Buch rein um Nur drehen würde, was allerdings nicht der Fall ist. Es erzählt die Geschichte der Familie Bakara, der Familie ihres Großvaters, und was diese in vier Generationen durchzustehen hatte. Nur ist zwar ein Teil davon, aber sie steht keinesfalls im Mittelpunkt der Geschichte, sondern ist ein Charakter von vielen dessen Geschichte erzählt wird.

Einen wirklichen Protagonisten ausfindig zu machen ist relativ schwierig, aber für mich sind das Nazmiyyah und Nur. Nazmiyyah ist eine resolute Frau, die sich durchsetzte und das Herz auf der Zunge trägt, sich aber auch zu benehmen weiß und die Sitten und Gebräuche der Familie achtet und ehrt. Sie ist der Mittelpunkt der Familie Bakara, hält diese zusammen, schlichtet Streit und ist immer für sie da. Nazmiyyah hatte einiges in ihrem Leben zu ertragen, aber sie hat ihre Güte und ihre Lebensfreude niemals verloren und ist eine sympathische Person, über die man auch das ein oder andere Mal schmunzeln muss.
Auch Nur hatte es in ihrem Leben nicht wirklich einfach. Nach Jahren der Liebe und des Glücks mit ihrem Großvater, steht sie nach seinem Tod ganz alleine da und wird von einer Familie zur anderen geschoben. Sie hat keine Heimat und keinen Ort an den sie zurückkehren könnte, was sie innerlich aushöhlt. Ihre Probleme stehen in einem gewaltigen Kontrast zu jenen der Menschen in Gaza, was in diesem Buch auch thematisiert wird.

Das Buch gewährt einen guten Einblick in das Leben der Menschen in Gaza, was diese alles zu ertragen haben und wie sie trotzdem ihr Leben leben und glücklich sein können. Es handelt von starken Frauen, die ihren Weg gehen und Schicksalsschläge ertragen, und es werden Probleme der westlichen Welt angesprochen, welche diese Menschen nicht einmal im Ansatz kennen. Es regt zum Nachdenken an und die Einblicke in das Leben und die Kultur der Menschen in Gaza ist sehr authentisch geschrieben.

Was ein bisschen gestört hat, ist der Name Nur. Natürlich ist es in Englisch kein Problem, aber in der deutschen Fassung, die ich gelesen habe, gerät man doch ein wenig aus dem Fluss, weil man “Nur” nicht mit einem Namen verbindet. Vor allem bei den Sätzen bei dem der Name am Anfang stand, bin ich öfter rausgekommen. Allerdings kann da niemanden die Schuld geben, denn die Autorin hat das sicherlich nicht bedacht und die Übersetzerin konnte nicht einfach den Namen ändern. Trotzdem wollte ich es erwähnen.

Abgesehen von dem Namen ist der Stil leicht und flüssig zu lesen und deshalb hatte ich das Buch aus relativ schnell durch. Es gab zwar keine nennenswerten Höhe- bzw. Tiefpunkte, aber durch die Beschreibungen und den angenehmen Stil wurde es nie langweilig. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle, die gerne Beschreibungen eines anderes Landes bzw. einer anderen Kultur mögen, welche in eine Geschichte über die Suche nach dem Glück des Lebens verwoben ist und

4 von 5 Punkten.

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