Michael Schofield – Ich will doch bloß sterben, Papa

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Titel: Ich will doch bloß sterben, Papa
Autor: Michael Schofield
Übersetzer: Carsten Mayer
Verlag: Kösel
Genre: Biographie
Seiten: 338
ISBN: 9783466309948
Preis: 19,99€

Michael und seine Frau Susan haben es nicht leicht mit ihrer kleinen Tochter January, genannt “Jenna”. Schon seit ihrer Geburt ist ihr Verhalten sehr auffällig, denn als Baby hat sie kaum geschlafen und brauchte immer jemanden, der sie beschäftigte. Als sie größer wurde, kamen dann einige Fantasiefreunde, was bei Kleinkindern eigentlich kein Grund zur Sorge ist, aber bei Jenna war es so, dass sie völlig aggressiv wurde, wenn jemand die Existenz ihrer Freunde anzweifelte. Darüber hinaus war sie über alle Maßen intelligent, so dass man ihre Auffälligkeiten ihrem unglaublich hohen IQ zugeschrieben hat. Leider wurde Jennas Verhalten immer schlimmer und obwohl Michael davon geträumt hat, dass seine Tochter eines Tages die Welt verändern würde, muss er sich nun eingestehen, dass es so nicht weitergehen kann. Doch was tun, wenn das eigene Kind zum Problem wird?

Das Cover ist sehr schlicht gehalten und zum Großteil einfach nur weiß. Im oberen Drittel sieht man ein paar graue Schatten und im unteren Drittel eine verschwommene Person, die wahrscheinlich Jenna darstellen soll. Dadurch das alles so verschwommen ist und keine klaren Grenzen erkennbar sind, wird auf Jennas psychischen Zustand hingewiesen, die sich auch immer auf der Grenze zwischen ihrer Fantasiewelt und der Realität lebt und nicht zu unterscheiden vermag was nun real ist und was sich nur in ihrem Kopf abspielt. Obwohl das Cover sehr schlicht ist, passt es sehr gut zu dem Buch, denn es soll nicht zu dominant wirken, da der wahre Eye-Catcher an diesem Buch eindeutig der Titel ist. Ein Kind, dass seinem Vater sagt, dass es sterben will, ist sicher für viele Schock genug um dem Buch einen genaueren Blick zu widmen.

Die Protagonisten dieses Buches sind die Eltern von Jenna, Michael und Susan, wobei ersterer als Erzähler die größere Rolle einnimmt. Dennoch werde ich Susan erwähnen, da sie ebenfalls eine enorm wichtige Rolle gespielt hat und ohne ihre Stärke, ihren Willen und ihre Liebe, wären sie als Familie nicht so weit gekommen.
Michael ist ein Vater, der alles für seine Tochter tut und sie niemals aufgibt. Er erträgt alles, versucht immer wieder zu ihr durchzudringen, sie zu beruhigen ihr Leben zu vereinfachen. Er hat gekämpft. Gegen seine Tochter, gegen seine Gefühle, gegen die Ärzte, das Gesundheitssystem und gegen seine Erschöpfung und seinen Frust. Sein Leben ist ein einziger Kampf, aber für seine Tochter ist er bereit alles zu opfern und ich bewundere die Stärke und das Durchhaltevermögen, dass er an den Tag legt. Er sagt selber, er hat Fehler gemacht und einige werden auch in diesem Buch beschrieben, deshalb sollte man das Buch von Anfang bis zum Ende lesen. Man muss versuchen sich zumindest im Ansatz klar zu machen unter welchem Druck Michael steht, um seine Handlungen nicht überzubewerten. Wer sich nicht selber in so einer Situation befindet, wird es jedoch nie ganz verstehen können. Das Buch bietet einige Szenen, die, wenn man sie aus dem Kontext reißen würde, ein ganz anderes Bild von Jennas Vater ergeben.

Was mir an dem Buch wirklich gefallen hat, ist der Zusammenhalt von Susan und Michael. Beide am Ende ihrer Kräfte mit blanken Nerven und trotzdem haben sie zusammengehalten. Natürlich gab es auch Reibereien und Streit, aber am Ende haben sie immer an einem Strang gezogen und sich jeder neuen Herausforderung gestellt.
Das Thema dieses Buches ist ein schwieriges, denn psychische Krankheiten werden von der Gesellschaft immer noch nicht ausreichend akzeptiert und man sieht wie schwer es mit einem Kind ist, das aus der Norm fällt und das intensive Betreuung benötigt. Da sich diese Geschichte in den USA abgespielt hat, ist das natürlich nochmal etwas ganz anderes, aber auch in Deutschland ist alles andere als einfach bis man die benötigte Betreuung und Unterstützung erhält. Gerade über einen längeren Zeitraum.

Den einzigen Kritikpunkt den ich bringen könnte ist, dass mich die Emotionen von Michael nicht wirklich berührt haben und auch wenn er am Ende zu einem sehr drastischen Mittel greift. Obwohl das Buch sehr gut geschrieben ist und keine Längen beinhaltet, kommt es mir eher wie ein Tatsachenbericht vor. Obwohl er beschreibt wie es ihm geht, kann er das Gefühl nicht auf den Leser übertragen. Ob das jetzt nur an mir liegt, weil ich mich selber nicht in so einer Situation befinde, oder es wirklich an dem Stil liegt, muss jeder für sich entscheiden.

Trotzdem ist sehr lesenswertes Buch, vor allem wenn man sich selber in so einer oder ähnlichen Situation befindet oder wenn man Freunde oder Bekannte hat, die sich dieser Herausforderung stellen müssen.  Mir persönlich hat es einen guten Einblick in die gesamte Materie gewährt und ich vergeben

4,5 von 5 Punkten.

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