Jasmine Warga – Mein Herz und andere schwarze Löcher

schwarzelöcher

Titel: Mein Herz und andere schwarze Löcher
Autor: Jasmine Warga
Übersetzung: Adelheid Zöfel
Verlag: Sauerländer
Genre: Jugendbuch
Seiten: 384 Seiten
ISBN: 978-3-7373-5141-6
Preis: 16,99€

Hallo ihr Lieben,

diese Rezension wird einfach mal anders werden als meine üblichen, aber das Buch ist auch einfach anders. Ich hatte viel Positives über diese Geschichte gehört und war natürlich entsprechend neugierig. Allerdings hatte ich auch keine großen Erwartungen, denn ich neige irgendwie dazu Bücher, welche besonders hochgejubelt werden, nicht gut zu finden. Nachdem ihr es aber bei der 6 Bücher am 6. im August für mich ausgesucht habt, habe ich mich drangemacht es zu lesen und ja ich muss sagen, dass ich ihm mit gemischten Gefühlen gegenüber stehe. Warum möchte ich euch jetzt gerne erklären.

Zunächst einmal der Inhalt: Aysel (sprich Ah – seel) ist 16 und hat es schwer im Leben. Sie ist depressiv und möchte am liebsten sterben. Schuld daran ist vor allem ihre Vergangenheit, denn sie ist die Tochter eines Mörders. Diesen Umstand kann sie nur schwer ertragen. Er schwebt seit 3 Jahren wie ein dunkler Schatten über ihr und raubt ihr alle Lebensfreude. Auf einer Website zur Suche für Suizidpartner trifft sie auf den 17-jährigen Roman. Gemeinsam wollen die beiden ihr Vorhaben umsetzten und sich umbringen. In genau 26 Tagen. Diese 26 Tage begleiten wir die beiden und lernen ihre Gedanken und Gefühle kennen.

Teenager die sich umbringen möchten, sind sicherlich eine schwere Kost für die meisten Leser und ich würde auch sagen, dass man hier durchaus schon zeitweise starke Nerven braucht, denn als Leser wird man auch nicht gerade schonend an die Sache herangeführt, sondern von Anfang an mit der Entschlossenheit zum Suizid und der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung der beiden Protagonisten konfrontiert. Überhaupt steht die Geschichte sehr im Kontrast zum Cover des Buches, welches mit seinen vielen bunten Tupfen eigentlich einen sehr fröhlichen Eindruck macht. Dennoch ist da Cover sehr stimmig. Im Klappentext steht:

„Eine Geschichte über zwei, die den Tod suchen und die Liebe ihres Lebens finden.“

Genau das ist auch auf dem Cover dargestellt. Der weiße Hintergrund symbolisiert die Leere und Hoffnungslosigkeit im Leben der Protagonisten, während jeder Farbfleck für eine schöne Kleinigkeit steht, welche die beiden zusammen entdecken, und welche dann beginnt die Leere zu füllen. Auch den Titel versteht man, sobald man ein wenig gelesen hat durchaus sehr gut, auch wenn er auf den ersten Blick etwas seltsam wirkt. Aber auf jeden Fall macht er auch neugierig.

Über die beiden Protagonisten Roman und Aysel könnte man eine Menge sagen, aber das würde euch nur spoilern. Gemeinsam haben sie auf jeden Fall einen enormen Todeswunsch und den Plan Suizid zu begehen. Beide benötigen dafür aus völlig verschiedenen Gründen einen Partner, misstrauen sich aber auch zunächst sehr. Ihre Ansichten über vieles im Leben sind so verschieden, dass sie am Anfang auch nicht wirklich damit umgehen können. Da die Geschichte aus der Sicht von Aysel geschrieben ist, kann man sie wesentlich besser verstehen als Roman. Auch wenn er seine Gedanken und Gefühle wesentlich mehr erklärt, während Aysel sich dem Leser eher auf der Gedankenebene mitteilt, bleiben für mich einige Dinge offen, welche ich gerne verstanden hätte. Gerade gegen Ende hin habe ich Probleme Roman zu verstehen.

Auch insgesamt habe ich bei der Umsetzung in manchen Teilen meine Schwierigkeiten. Es ist sicherlich gut für die Spannung, wenn man nicht immer gleich weiss, warum manche Dinge so getan werden, wie sie eben von Aysel gerade getan werden, allerdings ist es aber für das Einfühlen wenig zuträglich. Wie die Geschichte ausgehen wird, kann man nach der Lektüre des Klappentextes ohnehin schon mutmaßen, daher war es für mich wichtig, dass ich den Weg dorthin nachvollziehen konnte, denn dieser war in diesem Fall klar das Ziel. Leider gelang mir das nicht immer, da manche Passagen keinerlei Gedanken zu dem „Warum“ enthielten und erst nachdem man 50-100 Seiten weiter war, wurde die Erklärung, warum es so wichtig war nachgereicht. So hat man es zwar zeitgleich mit dem anderen Protagonisten erfahren, allerdings hat man sich von Aysel immer mehr distanziert.

Aber bevor ihr jetzt denkt, dass ich das Buch total schlecht fand, das war es auf keinen Fall. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die vielen kleinen Botschaften, welche in der Geschichte versteckt waren. Eine davon, um mal ein Beispiel zu nennen, ist, dass es oft die kleinen Dinge im Leben sind, die etwas großes bewirken. Auch dass die Tatsache aufgegriffen wurde, dass es manchmal in bestimmten Situationen bestimmte Menschen braucht, welche vielleicht sogar die gleichen Probleme haben, und nicht unbedingt die üblichen Freunde und Familienmitglieder, finde ich eine sehr wichtige Botschaft. Insgesamt kann man schon sagen, dass dieses Buch auf jeden Fall Außenstehende für das Thema Depression sensibilisieren kann, auch wenn man ehrlich bleiben sollte und hier mehr die nach außen sichtbaren Signale als Maßstab nehmen sollte, als sich einzubilden, dass man vom Innenleben eines Depressiven nach der Lektüre dieses Buches auch nur die geringste Ahnung zu haben.

Ein kleines Manko finde ich auch das Nachwort. Generell finde ich den Aufruf gut, dass man sich kümmern soll, wenn man etwas bemerkt, aber hier wurde leider vergessen zu sagen, dass man Leute mit Depression nicht in die Enge treiben sollte und zu irgendwelchen Dingen überreden oder zwingen, denn das kann genau den gegenteiligen Effekt haben.

Was bleibt mir jetzt noch zu sagen? Ach ja, es gibt ja noch den Schreibstil. Der ist wirklich angenehm und flüssig zu lesen. Man kann sich auch schwer von dem Buch trennen und hat immer noch Spaß daran die Geschichte zu lesen, auch wenn das Thema ein so ernstes ist.

Insgesamt hatte das Buch seine Höhen und Tiefen und ich muss auch leider mit den ganz Lobpreisungen für das Buch brechen, aber auch von mir sind

3,5 von 5 Punkten

drin.

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