Cornelia Funke – Steinernes Fleisch

fleisch

Titel: Steinernes Fleisch
Reihe: Reckless (Band 1)
Autor: Cornelia Funke
Verlag: Dressler
Genre: Jugendbuch
Seiten: 351
ISBN: 978-3-7915-0485-8
Preis: 19,95€

12 Jahre ist Jacob alt, als er die Welt hinter dem Spiegel im Arbeitszimmer seines verschwundenen Vaters entdeckt. Die Spiegelwelt anders. Er muss sich dort keine Sorgen um seine Liebsten machen, während in der realen Welt sein kleiner Bruder und seine Mutter auf ihn warten. Viele Jahre besucht er die Spiegelwelt heimlich, doch eines Tages folgt ihm sein Bruder Will in diese Welt. Ab diesem Moment ist nichts mehr einfach, denn Will wird beim Angriff durch einen Goyl verletzt und beginnt nun selbst eine Haut aus Stein zu entwickeln. Doch diese wird nicht nur seine Haut, sondern auch sein Wesen so sehr verändern, dass es eigentlich geboten ist, Leute in der Wandlung umzubringen. Doch Jacob möchte Will um jeden Preis retten und bekommt dabei Hilfe von Fuchs, Clara und Valiant. Doch können sie es wirklich schaffen Will zu retten oder ist schon längst alles verloren?

Cornelia Funke entführt uns im Auftakt der Reckless-Trilogie in eine Welt, welche so verschiedene und doch so ähnlich ist zu der unseren ist. Die Welt hinter dem Spiegel ist in einer gewissen Form eine etwas ältere Version unserer Welt, die noch in den Kinderschuhen der Industrialisierung steckt. Aber die Welt ist auch voller Magie und ungewöhnlichen Gegenständen. Sie ist angefühlt mit Dingen und Figuren aus Märchen, seien es nun Feen, KnüppelausdemSack oder goldene Kugeln. Vieles ist hier nicht so wie es scheint und die Grenzen zwischen Gut und Böse sind hier so fließend, dass man eine Entscheidung darüber nicht einfach pauschal, sondern nur situationsabhängig treffen kann.

Der Hauptkonflikt zwischen den Goyl, welche aus dem Erdreich hervorkommen und den Menschen, bis auf ihre Haut aus Gestein und ihre Abneigung gegen Sonnenlicht, gar nicht so unähnlich sind, und den Menschen, welche die Goyl nicht gerne auf der Erdoberfläche sehen möchten, löst den Krieg aus, welcher schließlich Anstoß der Handlung ist. Aber nicht nur diese beiden Rassen, sondern auch eine Fee, welche ihren Platz im Leben nicht zu kennen scheint, spielt eine wichtige Rolle.

Man sieht schon an meiner Beschreibung, dass die Spiegelwelt unheimlich komplex und detailiert aufgebaut ist und die Autorin wahnsinnig viel Liebe zum Detail hineingesteckt hat. Doch während die Welt wirklich mit sehr vielen Details glänzen konnte, haben die Charaktere daneben fast ein wenig blass ausgesehen. Man hat zwar immer wieder winzige Fetzen ihrer Geschichte erfahren, allerdings waren sie sehr stark an die aktuelle Zeit der Geschichte gebunden und ihre Vergangenheit, welche aber bei allen eine sehr prägende Rolle hat, was man auch aus den Minirückblenden herauslesen konnte, wurde leider sehr vernachlässigt. Vielleicht kommt in den weiteren Bänden der Trilogie dann noch mehr zu diesem Thema, schließlich muss man sich etwas aufheben, aber an dieser Stelle war es mir fast zu wenig.

Dennoch waren die Charaktere der Geschichte alle sehr individuell und haben sich auch durch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten ganz gut ergänzt.
Jacob hat bei mir vor allem durch seinen unerschütterlichen Willen und seinen Ideenreichtum gepunktet, dafür allerdings Minuspunkte gesammelt, was den Umgang mit seinen Freunden anging, denn er hat ihnen viel zu viel verschwiegen.
Valaint war eben der typische Zwerg, der für die richtige Summe Geld alles und jeden verkauft. Allerdings hat er im Laufe der Geschichte eine kleine Veränderung durchgemacht, die ihn dann doch noch sympathischer werden ließ.
Fuchs, eine Gestaltwandlerin, ist eine so unglaublich loyale Person, dass es mich wirklich zu tiefst beeindruckt hat, denn sie hat sich für Jacob oft ohne nachzudenken in die größten Gefahren begeben, nur um ihn zu schützen.
Will, der durch die anstehende Verwandlung von Mensch zu Goyl sicherlich das meiste durchzumachen hatte, hat im Lauf der Geschichte sehr viele Wandlungen auch in charakterlicher Sicht durchgemacht und war für mich trotz seiner zentralen Rolle, eigentlich eher eine Randfigur, da er kaum selbst etwas entschieden hatte, sondern eher ein Spielball war.
Clara hat es für mich irgendwie am Schlechtesten getroffen. Ihr fiel zwar eine durchaus wichtige Rolle im Mittelteil der Geschichte zu, allerdings muss man ehrlich sagen, dass sie die größte Zeit der Geschichte nur mitgeschleift wurde und auch ihre Höhepunkte in ein paar Sätzen abgehandelt waren. Hier hätte ich mir deutlich mehr gewünscht.
Hentzau, war der wichtigste Mann an der Seite des Goylfürsten und in einigen Kapiteln durfte man auch die Dinge aus seiner Sicht betrachten, was dem Ganzen enorm gut getan hat. Leider wurde dies dann  aber ab einem gewissen Punkt aufgegeben und seine Sicht auf die Dinge herausgenommen. Hier hätte ich mir die Beibehaltung wirklich sehr gewünscht, denn es hat die Geschichte wirklich aufgewertet.

Insgesamt muss ich aber sagen, dass die Charaktere im Vergleich zu Spiegelwelt einfach etwas blass zurückgeblieben sind und ich mich nicht so gut, wie ich es gerne gewollt hätte, in sie hineinversetzen konnte. Dennoch war die Geschichte einfach durch die vielen Wendungen und unvorhersehbare Ereignisse so spannend und eng gestrickt, dass ich mich dennoch nicht davon losreißen konnte und sie ziemlich fix durchgelesen hatte.

Hervorheben möchte ich allerdings noch das Cover, welches mich extrem neugierig gemacht hat. Der Rahmen soll wohl den Spiegel darstellen und durch die Prägungen im Schutzumschlag, kommt er auch sehr plastisch raus. Dahinter befindet sich das Gesicht von Will mit seiner Steinhaut. Durch seine Fremdartigkeit und gleichzeitig so menschlichen Züge, fand ich es sehr anziehend und habe genauer hingeschaut. Zum Titel muss man denke ich nichts sagen, denn während der Reihentitel ganz banal der Nachname von Jacob und Will ist, ist der Titel der ersten Bandes einfach nur Programm und der Hauptinhalt.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich freue mich auch schon sehr auf Band 2. Da der erste Band zu einem Ende kommt, welches man auch ohne eine weitere Fortsetzung zu lesen stehen lassen kann, kann ich ihn auch auf jeden Fall schon einmal empfehlen ohne den Rest der Trilogie zu kennen. Von mir gibt es

4 von 5 Punkten.

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