[Rezension] David Levithan – Two boys kissing

boys

Titel: Two boys kissing – Jede Sekunde zählt
Autor: David Levithan
Übersetzer: Martina Tichy
Verlag: KJB
Genre: Jugendbuch
Seiten: 288
ISBN: 978-3-7373-5185-0
Preis: 14,99€

Als ich dieses Buch in die Hand nahm hatte ich keine speziellen Erwartungen außer das es eine Thematik sein würde, welche sich um schwule Jungs dreht. Dies wird sowohl im Titel als auch in der Covergestaltung mehr als deutlich. Das Cover wirkt auf den ersten Blick recht schlicht, doch es sind lauter kleine Pärchen im Hintergrund zu sehen. Es gibt sehr viele heterosexulle Paarungen, ein paar lesbische und bunt hervorgehoben ein paar schwule.  Besser könnte ein Cover die Thematik wohl kaum herausstellen und dabei doch dezent bleiben.

Was das Innenleben des Buches anging bin ich jedoch sehr zwiegespalten. Er zählt wird es von einem allwissenden Erzähler oder eher von einem Erzählerkollektiv. Doch dies sind nicht wirklich unbeteiligte Personen, sondern wie sich recht schnell herauskristallisiert all jene schwulen Toten, welche an AIDS verstorben sind. Sie blenden die Geschichte auf und ab, springen zwischen den Schauplätzen hin und her, greifen vor oder vermischen mit ihrer eigenen Vergangenheit wie es ihnen gefällt. Sie berichten, erzählen, kommentieren und lenken die Meinung des Lesers in die von ihnen gewünschte Richtung.

Genau das hat dieses Buch für mich sehr schwierig gemacht, denn für mich waren diese Erzählpersönlichkeiten zu dominant, zu präsent. Sie waren für mich wie eine Trennwand zu den verschiedenen Protagonisten und Geschichten. Sie haben mich ferngehalten und ausgeschlossen. Vielleicht war es ein Teil des Konzeptes des Buchs, das man kein Teil sein sollte, sondern nur Betrachter, aber ich fand es sehr schade, denn ich wäre gerne näher gewesen.

Neben den Passagen, welche sich mit den Erzählern beschäftigen, gab es 4 Handlungsstränge. Da waren Harry und Craig, die unbedingt den Weltrekord im Dauerküssen brechen wollten. Mitten auf einem öffentlichen Platz vor den Augen aller um ein Zeichen zu setzen. Avery, ein als Mädchen geborener Junge, und Ryan, welche sich kennengelernt haben und einander näherkommen wollen, Peter und Neill, die eine ganz „normale“ Beziehung führen und schließlich Cooper, dessen Leben sich auf Datingseiten abspielt und der den Sinn des Lebens wiederfinden muss.

Jeder dieser 7 Protagonisten hat sein eigenes Schicksal, sein eigenes Dilemma und leidet auf seine Art, doch irgendwie hat mich das alles nicht sonderlich berührt. Die Erzählperspektive hat mich wie gesagt davon fern gehalten und auch die Tatsache, wie dieses Buch aufgebaut ist, hat es nicht besser gemacht. Es gibt keine Kapitel nur größere Absätze. Nach jedem Absatz, welche zwischen meistens nur zwischen ein paar Zeilen und einer Seite, in ein paar Ausnahmen bis zu 5 Seiten, lang waren, wurde der Handlungsstrang gewechselt. Man hatte keine Chance sich auf irgendeinen der Jungs wirklich einzulassen, denn man war schon wieder weg bevor man die Figuren richtig fassen konnte.

Im Nachwort wird geschrieben, dass der Autor lebende Menschen als Vorbild hatte. Zwar nicht deren Geschichte sondern einfach nur mit ihnen verknüpfte Ereignisse, welche in zu bestimmten Charakteren angeregt haben. Vielleicht ist es genau das, was mich besonders enttäuscht hat, denn jemand, der mit vielen schwulen Leuten Kontakt hat, wäre doch prädestiniert, um die Gefühle und Gedanken der schwulen Jungs zu transportieren und uns in ihr Innenleben mitzunehmen, damit wir sie besser verstehen können. Irgendetwas in diese Richtung hatte ich mir von dem Buch auf jeden Fall gewünscht und leider wurde ich enttäuscht.

Für mich hat sich das Buch leider als Flop herausgestellt und ich kann somit auch nur

2 von 5 Punkten

vergeben.

3 Responses to [Rezension] David Levithan – Two boys kissing

  1. Somaya sagt:

    Hallo.
    Habe gerade durch die Motto-Cgallenge-Gruppe hierher gefunden, da dieses Buch auch noch auf meiner Wunschliste steht :)
    Schade, das es dir so wenig zugesagt hat. Und danke, dass du deine Gedanken trotzdem so sachlich teilst.
    Für mich ist es nun kein Grund, das Buch von der Wunschliste zu streichen, denn gerade der immer wieder etwas andere und „merkwürdige“ Stil von David Levithan macht mich so neugierig auf seine Bücher. Trotzdem weiß ich nun auch etwas genauer, worauf ich mich dann, wenn es irgendwann einzieht, einstellen kann.
    Lieben Gruß,
    Steffi

  2. Vanessa sagt:

    Hallo Sabrina,

    sehr schön hast du beschrieben was dich am Buch gestört hat. Ich kann dich ein wenig verstehen. Denn durch den schnellen Wechsel kommen wirklich kaum Gefühle bei einem selber an. Allerdings könnte mich der Schreibstil dann doch noch begeistern und da es irgendwie was besonderes ist, dieses Büchlein, hat es sogar volle Punktzahl bekommen.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

    • sabrinasLeseträume sagt:

      Hallo Vanessa,
      ich habe gerade deine Rezension gelesen und freue mich sehr, dass es dich überzeugen konnte. Das Buch hatte letztes Jahr wohl für mich einfach zu starke Konkurrenz. Bei mir ist es sogar unter den absoluten Flops des Jahres gelandet. Aber gut, dieses Buch polarisiert eben und wir sind da wohl eher gegensätzliche Pole ;)

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