[Rezension] Mark Billingham – Die Scherben der Wahrheit

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Titel: Die Scherben der Wahrheit
Autor: Mark Billingham
Übersetzer: Isabella Bruckmaier
Verlag: Atrium
Genre: Thriller
Seiten: 416
ISBN: 978-3-85535-057-5
Preis: 19,99€

Fünf Männer einer Londoner Gang,  ein Auto und ein Revolver. Sie fahren mitten in der Nacht durch die Straßen des Stadtteils Hackney auf der Suche nach einem potenziellen Opfer. Einer der Männer muss nämlich diese Prüfung bestehen um wieder ein vollwertiges Mitglied zu werden. Das Ziel ist eine Frau in einem BMW. Zwei Schüsse werden abgegeben. Die Frau verreißt den Wagen und kracht in eine Bushaltestelle voller Menschen. Sie überlebt mit schweren Blessuren, aber ein Polizist, der dort auf dem Weg nach Hause war, wird getötet. Dieser Polizist war der Lebensgefährte der hochschwangeren Helen. Sie ist ebenfalls Polizistin und irgendwas kommt ihr an diesem Unfall merkwürdig vor. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und steht bald vor einer Menge ungeklärter Fragen, die ihren verstorbenen Freund betreffen. Wer war er wirklich und was hat er getan, wenn er abends mal wieder spät nach Hause gekommen ist?
Das Cover ist mit seiner schwarzen Grundfarbe recht düster gehalten und die Eule, die anscheinend auf der Jagd ist, verstärkt die Stimmung noch ein wenig. Das Cover ist meiner Meinung nach gut gewählt, denn die Eule steht für verschiedene Symboliken, die das Buch beschreiben. Der Titel “Die Scherben der Wahrheit” passt ebenso zu dem Buch, da man auch in dem Buch die verschiedenen Teile der Wahrheit finden muss, um sie anschließend zu einem großen Ganzen zusammensetzen zu können. Cover und Titel gefallen mir richtig gut, besonders die Eule mag ich ganz abseits ihrer Symbolik sehr gerne, weil sie toll gestaltet ist.

Das Buch hat mehrere Handlungsstränge, aber die wichtigsten sind die von Helen und Theodore, genannt T. Helen ist eine typische Polizistin, die selbst als Hochschwangere nicht von ihrem Beruf loskommt, und auf eigene Faust ermittelt. Dabei geht sie zwar gewisse Risiken ein, hat aber genug Verstand um sich und ihr ungeborenes Kind nicht in unnötige Gefahr zu bringen. Sie hat mit den üblichen Problemen einer Schwangerschaft zu kämpfen, aber auch mit ihren Schuldgefühlen Paul gegenüber. Sie hat nämlich in der Vergangenheit einen großen Fehler begangen, an dem sie immer noch zu knabbern hat. Insgesamt eine ganz nette Protagonistin, aber interessanter fand ich Theodore. Er ist ein junger Vater und erst vor kurzem mit seiner Familie wieder nach London gezogen. Obwohl er vor hatte seine alte Gang zu meiden und ehrlicher Arbeit nachzugehen, ziehen ihn seine Freunde doch wieder in den Sumpf aus Gewalt und Drogen, da er damit schnell zu Geld kommen konnte, um seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Er hatte immer Skrupel, wollte auch wieder aussteigen, aber ab einem gewissen Punkt konnte er es nicht mehr. Sein Zwiespalt ist interessant zu verfolgen und daher war dieser Handlungsstrang für mich am spannensten.

Der Autor schafft es einen wirklich komplexen und gut durchdachten Fall zu kreieren und man fragt sich enorm lange, was nun mit Pauls Hintergründen ist und wie die ganze Geschichte am Ende aufgelöst werden soll. Die Handlung schafft es bis zum Ende zu überraschen und ist auch sehr tiefsinnig. Man kann eine Menge zwischen den Zeilen lesen und nicht immer ist alles so wie es scheint. Trotzdem gibt es einige Kritikpunkte: Der Anfang war durch die vielen verschiedenen Handlungsstränge nämlich so verwirrend, dass ich ab und zu inne halten musste um die ganze Sache erstmal sacken zu lassen. Außerdem hat mir das niedrige Spannungslevel nicht wirklich gefallen. Wie schon erwähnt war die Handlung brillant durchdacht, aber anscheinend auf Kosten der Spannung und des Unterhaltungswertes, denn ab und zu musste ich mich regelrecht durch das Buch kämpfen. Das hat vor allem mit dem Stil zu tun, in den ich mich einfach nicht einfinden konnte. Es war mir leider unmöglich richtig in die Geschichte einzutauchen und ich fühlte mich deshalb eher als unbeteiligter Beobachter. Eigentlich sehr schade, denn das Buch hat wirklich eine Menge Potenzial. Dennoch kann ich das Buch jedem Leser empfehlen, der einen gut durchdachten Krimi lesen will und sich auch über ein oder andere Botschaft zwischen den Zeilen freut.
Von mir gibt es allerdings wegen oben genannter Kritikpunkte nur

3.5 von 5 Punkten.

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