[Rezension] Atticus Lish – Vorbereitungen auf das nächste Leben

nächstes

Titel: Vorbereitung auf das nächste Leben
Autor: Atticus Lish
Übersetzer: Michael Kellner
Verlag: Arche
Genre: Roman
Seiten: 546
ISBN: 978-3-7160-2745-5
Preis: 24,99€

Zou Lei ist eine uigurische Kriegswaise, die es völlig alleine und mittellos in die USA geschafft hat. Als illegale Einwanderin ist sie immer auf der Hut vor den Behörden und schlägt sich mit diversen Jobs in Restaurantküchen durch. Zur gleichen Zeit kommt der 23-jährige Soldat Brad Skinner  zum dritten Mal aus dem Irak zurück. Er hat nicht nur mit diversen körperlichen Verletzungen, sondern vor allem mit einer schweren Traumatisierung zu kämpfen. Während er ziellos und völlig betrunken durch die Viertel von New York wandert, trifft er eines Tages auf Zou Lei und eine einzigartige Beziehung beginnt sich zwischen ihnen zu entwickeln. Beide sind auf der Suche nach Nähe und Gemeinsamkeiten. So streifen sie Nachts gemeinsam durch New York, trainieren ihre Körper bis zum Rand der Erschöpfung und versuchen irgendwie ihre Leben zu meistern. Aber nicht nur der seelische Zustand von Skinner macht ihnen zu schaffen. Ein weiteres Unheil nimmt seinen Lauf und droht sie für immer auseinander zu reißen.Das Cover ist  relativ unruhig gestaltet. Im Hintergrund kann man einige Hochhäuser erkennen, die den Handlungsort New York darstellen sollen. Darüber kann man ein Gesicht von Zou Lei sehen und recht daneben die Shilouette von Skinner. Man hat versucht alles wichtige auf dem Cover zu vereinen und es ist meiner Meinung nach auch gut gelungen. Allerdings ist die Schrift, mit dem der Titel und der Autorenname geschrieben wurden, für meinen Geschmack etwas zu groß ausgefallen. Aber das ist nur ein kleines Detail.

Die Protagonisten sind Zou Lei und Brad Skinner. Erste ist eine illegale Immigrantin und versucht sich irgendwie durchzuschlagen. Ihr Vater, der als Soldat im Krieg gefallen ist, war ein großes Vorbild für sie und deshalb hat sie sich selber einem militärischen Drill unterzogen und ist trotz stundenlanger körperlicher Arbeit abends mehrere Meilen gelaufen und hat Kniebeugen, Situps oder andere Übungen im 3-stelligen Bereich gemacht. Sie wollte Skinner helfen und mit ihm zusammen sein, da sie in ihm jemanden gefunden hat, der ihre Leidenschaft für das Militär teilt und öfter mit ihr trainiert. Wenn er das nicht tat, war er meistens völlig betrunken. Im Krieg musste Skinner mit ansehen wie sein bester Freund von einer Granate zerfetzt wurde und er selbst wurde schwer am Rücken verwundet. Trotzdem hatte man ihn nicht aus dem Militärdienst entlassen, sondern schickte ihn seiner Genesung wieder zurück. Insgesamt hatte er drei Jahre seines jungen Lebens im Krieg verbracht, was ihn in ein physisches ,aber vor allem psychisches, Wrack verwandelt hat. Eigentlich sucht er in Zou Lei nur jemandem mit dem er zur Ruhe kommen kann, aber die Bilder des Krieges kehren immer wieder zurück und quälen ihn. Dadurch kann er auch nicht richtig schlafen und in Kombination mit Alkohol und Tablettenmissbrauch wird er immer aggressiver und gefährdet die Beziehung zu Zou Lei.

Das Buch wird unter anderem als unsentimentale Liebesgeschichte bezeichnet und dem kann ich mich nur anschließen. Es ist die Geschichte zweier völlig unterschiedlicher Schicksale, die einander über dem Weg laufen und versuchen miteinander, aber auch mit der Welt, klar zu kommen. Wer Romantik in diesem Buch sucht wird enttäuscht werden, ebenso jene die ein harmonisches Zusammenleben verfolgen wollen. Das ganze Buch ist ein einziges Drama, ein Blick in die untersten Gesellschaftsschichten und der Kampf gegen das Grauen und die Ungerechtigkeit in der Welt. Dementsprechend ist auch die Wortwahl und neben einigen Schimpfworten ist auch manchmal der Slang von Banden zu lesen. Wenn Zou Lei spricht, dann ist eher eine gebrochene Wortwahl, was teilweise schon eine enorme Herausforderung darstellt. Dazu gibt es auch immer wieder Wörter in chinesisch und spanisch. Zwar findet man hinten ein Glossar mit den Erklärungen und Übersetzungen, aber es verlangt einiges an Konzentration das Buch zu lesen. Wer also leichte Unterhaltung für zwischendurch sucht, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Der Stil ist auch etwas eigen, denn oftmals werden nur Sinneseindrücke oder Momentaufnahmen beschrieben, welche erst nach und nach ihren Platz in der Geschichte finden. Es hat fast 150 Seiten gebraucht bis ich mich mit dem Stil anfreunden konnte, aber dann hat mich die Geschichte wirklich gefesselt. Es ist ein spezielles und einzigartiges Buch, aber sowohl von der Thematik, als auch von der ganzen Aufmachung relativ schwer, sodass ich es wahrscheinlich nicht mehr so schnell in die Hand nehmen werde.
Allen, die eine sehr lebensnahe Liebesgeschichte lesen wollen, bei der es darum geht sich trotz aller Widrigkeiten irgendwie eine Zukunft aufzubauen, kann ich das Buch nur empfehlen. Von mir gibt es jedenfalls

4 von 5 Punkten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.