[Rezension] Liv Marit Weberg – Zum Glück bemerkt mich niemand… dachte ich

glückbemerkt

Titel: Zum Glück bemerkt mich niemand… dachte ich
Autor: Liv Marit Weberg
Übersetzer: Hinrich Schmidt-Henkel
Verlag: Sauerländer
Genre: Schicksalsgeschichte
Seiten: 224
ISBN: 978-3-7373-5170-6
Preis: 12,99€

Dieses Buch hat die Lesergemeinschaft gespalten und ich war sehr neugierig auf das was mich erwartet. Mit Schlagworten wie „Lustig, intelligent und ironisch“ wird auf dem Buchrücken geworben und auch sonst wird die Geschichte von Anne Lise etwas anders beschrieben als ich sie erlebt habe.

Anne Lise ist schüchtern. Als sie bei ihren Eltern auszieht und in die Großstaft geht, sieht sie ihre große Chance gekommen um ihr Leben zu ändern. Doch dann geht am ersten Tag alles schief und danach wird es mit dem restlichen Leben irgendwie auch nichts mehr.


So weit zum Inhalt. Doch eigentlich ist Anne Lise nicht unbedingt schüchtern. So würde ich das nicht beschreiben. Viel mehr würde ich ihr eine soziale Phobie zuschreiben, welche sehr ausgeprägt ist und genau hierfür sprechen auch die Symptome, welche im Buch beschrieben sind. Genau DAS war übrigens auch der Grund, warum ich dieses Buch unbedingt lesen wollte, denn ich liebe Auseinandersetzungen mit dieser Thematik, wenn sie denn gut und authentisch geschrieben sind. Genau das habe ich hier auch gefunden. Für Menschen, welche keine Bezugspunkte zu Angststörungen haben, werden die Verhaltensweisen sicherlich skurril, witzig und amüsant sein, genau wie das Buch verspricht, doch wer sich damit auskennt, wird tiefer blicken.

Dieses Buch ist eine sehr gelunge Abhandlung über eine Thematik, welche die Welt noch nicht erreicht hat, vielleicht auch, weil die Betroffenen die Welt nicht erreichen können.

Das Problem ist nur, dass ich keinen sogenannten Studienplatz mehr habe. Immerhin bin ich vor dem Sackhüpfen geflohen, ich glaube, so ein Fehlverhalten nehmen die nicht auf die leichte Schulter. Und ich habe keine einzige Prüfung gemacht, mag schon sein, dass sie auch darauf reagieren.
(Seite 39/40)

In kurzem bis sehr kurzen Kapiteln – manchmal ein paar Seiten, manchmal nur ein Satz – erzählt die Autorin eine Geschichte, welcher man anmerkt, dass sie zumindest in Teilen auf eigene Erfahrung beruht. Auch wenn sie die Dinge teilweise überspitzt, so gibt es genügend Menschen, welche auch genau solche oder ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen, doch diese sieht kaum jemand.

Es ist die Wortwahl, der Stil, einfach alles, was einen zum Nachdenken anregt und einen zwingen soll über den eigenen Tellerrand zu blicken. Für viele mag die Protagonistin mit ihrer Gefühlswelt paradox erscheinen, dennoch trifft sie den Kern einer Psychischkranken erschreckend gut.

Ich denke, dass es wenig Rolle spielt, ob man die Thematik kennt oder nicht, um mit diesem Buch etwas anfangen zu können. Für die einen ist es eine witzige Unterhaltung über ein ernstes Thema, für die anderen ein Bericht, in dem sie sich vielleicht selbst wiederfinden können. Doch egal was es ist für den einzelnen Leser letztlich ist, es ist genial.

Von mir gibt es hierfür auch ganz klar

5 von 5 Punkten

und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

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