[Rezension] Holly Seddon – Locked In

Locked in von Holly Seddon

Titel: Locked in
Autor: Holly Seddon
Übersetzer: Astrid Finke
Verlag: Heyne
Genre: Thriller
Seiten: 432
ISBN: 978-3-453-41922-3
Preis: 12,99 €

Alex Dale ist eine alkoholkranke, freischaffende Journalistin, die in Tunbridge Wells, einer Stadt südöstlich von London, lebt und sich irgendwie von einem Job zum Anderen hangelt. Ihren journalistischen Spürsinn hat sie, zusammen mit ihrem Job bei der Times und ihrer Ehe, schon vor langer Zeit dem Alkohol geopfert. Aber als sie für einen neuen Artikel recherchiert, stößt sie auf die Geschichte von Amy Stevenson, die seit über 15 Jahren im Koma liegt. Als 15-jähriges Mädchen, kam Amy nämlich eines Tages nicht mehr nach Hause und die großangelegte Suchaktion fand sie einige Zeit später mit schwersten Verletzungen. Der Täter wurde jedoch nie gefasst. Von der Geschichte fasziniert, begann Alex immer tiefer in Amys Vergangenheit zu graben und stieß schnell auf ein furchtbares Geheimnis. Überzeugt, einen wichtigen Hinweis gefunden zu haben, versucht sie sich Hilfe zu holen, aber wer würde einer Alkoholsüchtigen schon glauben?

Bevor ich es etwas zum Inhalt des Buches sage, möchte ich noch ein paar Worte über das Cover verlieren: Es ist in den Farben blau und schwarz gehalten, wobei das blau richtig schön glänzt und sehr edel wirkt. Was der schwarze Fleck, in dem sich sowohl Titel, als auch Untertitel befinden, darstellen soll, kann ich leider nicht sagen, aber vielleicht macht es das ja aus. Denn Amy kann auch nichts erkennen oder irgendwie mit der Außenwelt kommunizieren. Der Titel passt hervorragend zu dem Buch und gefällt mir sogar besser, als der englische Originaltitel. Nun aber zu den wichtigeren Themen.

Das Buch, aber vor allem die Protagonistin sind wirklich anders. Es gibt einige Bücher mit Protagonisten, die ihr Päckchen zu tragen haben und alles andere als perfekt sind, aber die Beschreibung von Alex Alkoholsucht und ihres (selbst)zerstörerischen Verhaltens war, nicht nur sehr realistische beschrieben, sondern hat mir im Nachhinein auch sehr gut gefallen. Während des Lesens hat es mich allerdings ab und zu ein wenig gestört, besonders wenn Alex die spannenden Stellen mit ihrem Wunsch etwas zu trinken zu dürfen, unter- bzw. abgebrochen hat. Allerdings war es dadurch wieder sehr realistisch, da die Sucht bei Stresssituationen immer stärker wird. Während man also das Buch liest, verfolgt man also nicht nur einen Thriller, sondern erlebt nebenbei noch die Versuche eines Alkoholikers, sich selbst zu mäßigen. Dieser Aspekt wird jedoch wiederum dadurch gedämpft, dass Alex oft einfach viel zu beschäftigt ist und es oft schafft ihr Verlangen unter Kontrolle zu bekommen. Die Autorin hat somit einen recht guten Weg gefunden, um diese Problematik realistisch einzubauen, ohne dass es zum Hauptthema der Geschichte wird.

Alex konnte den Gedanken an Amy nicht abschütteln. Vermisst wird Amy. Telegene tragische Halbwüchsige in Schuluniform, strahlendes Schulfoto in jeder überregionalen Nachrichtensendung, Amys schluchzende Mutter und ihr besorgter Vater, oder war es Stiefvater gewesen? (Seite 19 )

Die Handlung ist zum Großteil aus Alex‹ Sichtweise beschrieben, aber es gibt auch einige Szenen mit Amy, sowie einer dritten Person, so dass ein wenig Abwechslung rein kommt. Das Buch hat neben der Haupthandlung noch eine weitere, die sich aber auch auf Amy und ihre Vergangenheit bezieht. Also ein schönes Geflecht, in das man gut eintauchen kann, ohne das es langweilig wird. Bis zum Ende wird man im unklaren gelassen, wie die ganze Sache nun ausgeht und man kann nicht vorhersehen, wer der Täter war, weil fast alle Indizien auf mehrere Personen verweisen.
Der Stil ist einfach und schnell zu lesen, so dass ich auch recht schnell durchgekommen bin. Nur ein einziges Mal bin ich ein wenig hängen geblieben und das war bei einer Erinnerung von Alex, die ziemlich lang war und die ich nicht richtig einordnen konnte. Aber das nur nebenbei. Insgesamt war es eine spannende Handlung, mit einigen überraschenden Wendungen und einem unvorhersehbaren Ende. Für alle Fans von Thrillern, die sich nicht von einer ziemlich eigenen Protagonistin abschrecken lassen, kann ich das Buch empfehlen und es gibt auch

4 von 5 Punkte

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