[Rezension] Christoph Heiden – Tod in Jena

todinjena

Titel: Tod in Jena
Autor: Christoph Heiden
Verlag: emons:
Genre: Kriminalroman
Seiten: 240
ISBN: 9783954518197
Preis: 10,90€

Die Tochter des Jenaer Bürgermeisters wird von einem Auto angefahren und fällt ins Koma. Die Untersuchungen ergeben, dass sie zum Zeitpunkt des Unfalls unter dem Einfluß von K.O.-Tropfen stand. Die Ermittlungen für Henry Killmer und seine Kollegen ans örtliche Theater. Schon bald offenbaren stoßen sie auf wesentlich größere Abgründe und finden sich auf einmal in einem brisanten Fall wieder, der viel mehr von ihnen abverlangt, als nur die täglichen Routinen.

Nachdem ich Christoph Heidens Erstling »Teufelsloch« letztes Jahr geliebt habe, hatte ich schon im Vorfeld große Erwartungen an das Buch. Hier erfahrt ihr, ob diese auch erfüllt worden sind.

Das Cover ist nicht sonderlich aufregend und auf den ersten Blick sagt es nicht sehr viel aus. Der obere Teil zeigt wohl ein schwarz-weiß Bild von einem Teil Jenas und der Pfeil unten steht vermutlich symbolisch für die vielen Entscheidungen zwischen gut und böse, die in diesem Buch getroffen werden müssen. Auf den ersten Blick sicherlich kein Cover, das man unbedingt aus dem Regal in der Buchhandlung zieht, aber insgesamt für dieses Buch passend und rund.

Neben den ermittelnden Beamten Linda Liedke und Henry Killmer, fand sich auch die 14-jährige Alina Wagner in einer Hauptrolle wieder. Während die Polizisten auf die meiste Zeit eher blass blieben, war Alina eine Figur, welche nachvollziehbar und detailreich dargestellt wurde. Dennoch ist dieses Buch keines bei dem man die Geschichte aus der Sicht einer Figur miterleben und fühlen kann, sondern man bleibt ein außenstehender Betrachter, der sich mal in einem, mal in einem anderen Handlungsstrang wiederfindet. Heiden zeigt uns die Geschichte nicht nur durch die Augen der Protagonisten, sondern lässt auch einige andere Figuren zu Wort kommen. So gibt es insgesamt um die zehn Perspektiven, welche teils klar erkennbaren Figuren zugeordnet waren, aber auch teils aus mysteriösen Sichtweisen von Tätern oder Opfern geschrieben waren, welche eine zusätzliche Spannung aufgebaut haben. Wer allerdings nichts mit vielen Perspektivwechseln anfangen kann, sollte von diesem Buch die Finger lassen. Mir persönlich hat das gut gefallen, denn es hat für Vielschichtigkeit und Tiefe gesorgt, die sonst verloren ginge.

Durch die vielen Perspektivwechsel haben auch die Nebenfiguren deutlich an Charakter gewonnen und man hat seine Lieblinge fernab der Protagonisten finden können. Mein persönlicher Held des Buches – wenn gleich ein tragischer – war die »fette Mietzekatze«. Wer das allerdings ist, müsst ihr selbst rauskriegen.

Der Schreibstil des Autors ist sehr eigen. Man kann ihn flüssig lesen und die Spannung wird bis zum Schluss sehr hoch gehalten, allerdings sind so manche Metaphern und Beschreibungen nichts für schwache Nerven oder Leute mit zu bildhafter Fantasie, da sie einen gewissen »Ekelfaktor« haben. Der Qualität der Geschichte tut das jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil es ist erfrischend unkonventionell und anders.
Dass der Autor selbst auch viel mit dem Theater zu tun hat, wird schnell klar, denn hier spürt man das Herzblut und die Leidenschaft dafür in jeder Beschreibung. Diese Leidenschaft überträgt er auch auf den restlichen Text, der auch vor Tabuthemen keinen Halt macht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass meine Erwartungen an den Krimi vom Autor nahezu komplett erfüllt wurden, lediglich die Polizeibeamten hätte ich mir etwas nahbarer ausgearbeitet gewünscht. Dennoch kann ich das Buch jedem empfehlen, der gerne auch mal unkonventionellere Krimis liest und auch vor Tabuthemen nicht die Augen verschließt. Der Fairness halber möchte ich aber dazusagen, dass ich nicht verstehe, warum auf die Bücher immer »Kriminalroman« gedruckt wird, da sie viel näher am Thriller liegen als am Krimi.

Von mir gibt es verdiente

4 von 5 Punkten.

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