[Rezension] Jean-Pascal Ansermoz – Regensymphonie

Regensymphonie Ansermoz

Titel: Regensymphonie
Autor: Jean-Pascal Ansermoz
Verlag: Kopfkino
Seiten: 108
Genre: Novelle
ASIN: B073YL94FQ
Preis: 2,99€ (eBook)

Regensymphonie:

Eine Geschichte, die nicht nur ungewöhnlich und mutig, sondern in der heutigen Zeit auch sicherlich fast verpflichtend ist. Sie erzählt von dem Jungen Kadir, welcher zusammen mit seiner Schwester Alima, in einem Auffanglager für Flüchtlinge in Italien sitzt. Doch das Europa, von dem sie in Syrien geträumt haben, war anders. Sicherer, ohne Ängste.
Erst als Kadir auf Namid trifft, ändert sich das Blatt, denn dieser schenkt ihm neue Hoffnung und erweckt seinen Kampfgeist zum Leben.

Mit dieser Geschichte wagt der Autor einen Blick hinter die Kulissen der medialen Berichterstattung und der Illusionen, die man für uns geschaffen hat. Er betritt dabei eine Welt, die für unzählige Flüchtlinge Realität ist und die wir niemals zu sehen bekommen. Ein Welt voller Angst, Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit, verlorenen Träumen und zerrissenen Familien. Und dennoch gelingt es ihm, auf eine unglaublich berührende Art und Weise, eine Geschichte zu erzählen, die zeigt, dass man, egal wie tief man gefallen ist und wie sehr man enttäuscht wurde, sich immer wieder hochkämpfen kann, wenn man nur bereit ist der Welt mit offenem Herzen und Vertrauen zu begegnen.

Die Summe unseres Lebens:

Die Geschichte von Arnaud, der, aus einem heftigen Liebeskummer heraus, seine Stimme verliert, hat mich schwer beeindruckt. Der Stil des Autoren zeugt hier von einer Sprachbegabung, wie sie nur große Schriftsteller der Weltliteratur beherrschen. Mich würde es nicht wundern, wenn der Namen Ansermoz irgendwann neben Böll, Mann, Zweig und Lessing in den Schullektüren auftaucht und von sich reden macht.

So simpel die Geschichte auf den ersten Blick erscheint in ihrem Plot, so tief geht sie zwischen jedem Wort. Es geht nicht nur um eine Reise zum Ende der Welt, wo Arnaud seine Liebe wiederfinden will. Vielmehr geht es um das Ende eines Abschnitts, um die Suche nach sich selbst und um die eigenen Träume.

Fazit:

Die beiden Geschichten ließen mich sehr nachdenklich zurück. Bin ich ehrlich zu mir, dann lebe und arbeite ich sehr viel für die Träume und Wünsche anderer und stecke sehr viel Energie dort hinein. Meine eigenen Träume kommen öfter zu kurz als mir lieb ist und die Herzlichkeit und Weltoffenheit, die ich als Kind noch mit mir trug, haben mir die Jahre genommen. Wer bin ich eigentlich wirklich? Bin ich die Person, die ich täglich lebe oder ist das nicht viel mehr eine Person, die mein Umfeld gelebt haben möchte?
Ihr seht schon, es sind viel Fragen und wenn ein Buch so sehr in mir nachschwingt und mich zu so vielen tiefgreifenden Gedanken über mich selbst und das Leben animiert, dann kann es nur gut gewesen sein.

Bevor ich mir noch einige ruhige Minuten nehme, um den ersten Fragen auf den Grund zu gehen, möchte ich an dieser Stelle natürlich noch ein paar Drachenköpfe vergeben:

Vielen Dank an den Kopfkino Verlag, der mir die Möglichkeit gab, diese wundervollen Geschichten vorab zu lesen. Das hatte jedoch keinen Einfluß auf mein Urteil.

2 Responses to [Rezension] Jean-Pascal Ansermoz – Regensymphonie

  1. Eine schöne Besprechung!

    Ich war so frei und habe in meiner hier hin verlinkt!

    Liebst
    Bine

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