[Mitmachaktion] Against Cyberbullying mit Sylvia Rieß

Hallo ihr Lieben,

vielleicht habt ihr in den letzten Tagen schon auf anderen Blogs schon die Aktion „Against Cyberbullying“ entdeckt und euch mit verschiedenen Gedanken zum Thema Mobbing und Cybermobbing auseinandergesetzt.

Auch ich habe heute einen Textschnipsel aus „Der Axolotlkönig“ von Sylvia Rieß bekommen, den ich euch zuerst mal zeigen möchte, bevor ich meine Gedanken und Erlebnisse dazu mit euch teile.

Against Cyberbullying

Bei dem Gedanken, dass man sich selbst mit Scherben, Rasierklingen oder mit irgendeinem anderen Gegenstand selbst könnte, stellen sich bei den meisten die Nackenhaare auf. Wir wissen alle, wie unangenehm es schon ist, wenn man sich versehentlich beim Hantieren in der Küche schneidet. Sich selbst in die Arme, Beine oder andere Körperteile zu schneiden, ist ein purer Akt der Gewalt gegen sich selbst und es gehört sehr viel Verzweiflung dazu, diesen Schritt zu machen.

Klar, man kann jetzt sagen, dass ist krank. Aber was soll eine gequälte Seele auch sonst sein? Wenn man gemobbt wird, egal, ob online oder im echten Leben, dann nimmt die Seele schaden. Erst langsam und dann immer schneller. Irgendwann ist einem jedes Mittel recht, damit die Stimmen, die einem weiter böse Sachen an den Kopf werfen, aus den Gedanken, und die seelischen Schmerzen, die teilweise so schlimm sind, dass sie körperlich werden, verschwinden. Nur:

Wie bekämpft man seelische Schmerzen?

Es ist ja leider nicht so, wie bei einem gebrochenen Arm, den man in Gips ruhigstellen kann oder Kopfschmerzen, gegen die es eine Tablette gibt. Der Schmerz frisst einen auf und wird durch das fortdauernde Mobbing immer noch weiter befeuert. Irgendwann ist man verzweifelt genug, um den Schmerz mit Gegenschmerzen zu bekämpfen. Man lässt Gummibänder auf der Haut schnalzen, kratzt sich, duscht zu heiß oder zu kalt, doch jedes Mal bricht der Schmerz wieder hervor. Jeder Gegenschmerz ist nur eine Erleichterung von kurzer Dauer und je öfter man ihn einsetzt, um eine Verschnaufpause für die Psyche zu bekommen, desto drastischere Methoden muss man anwenden, damit es noch wirkt. Irgendwann kann man an den Punkt, an dem man zu den wirklich drastischen Methoden greifen muss, um überhaupt noch einen Effekt zu erzielen. Das kann sein, dass man sich selbst verbrennt, aber eben auch, dass man sich Schnittwunden zufügt.

Hilft das wirklich?

Nun, diese Frage ist wirklich schwer zu beantworten. In dem Moment, wo man es tut, hilft es ganz sicher, denn mit dem äußerlichen Schmerz beruhigt sich der innere und man findet für eine Weile etwas Ruhe. Danach allerdings kommt alles mit voller Härte zurück und zusätzlich kommen aber noch die Selbstvorwürfe, weil man sich verletzt hat. Das zieht einen dann noch weiter runter und man macht es wieder. Ein ewiger Teufelskreis, den man ohne professionelle Hilfe nur schwer durchbrechen kann, selbst wenn das Mobbing durch Veränderung des Umfelds aufhört.

Das alles kann Mobbing anrichten?

Ja, das alles und viel mehr. Man sollte niemals unterschätzen, was Mobbing mit den Menschen macht. Für die meisten ist die Sache abgehakt, wenn das Mobbing selbst aufgehört hat, denn dann müsste die Welt des Opfers ja wieder okay sein. Dass es so einfach nicht ist, möchten viele nicht sehen. Eine kaputte Seele heilt nicht wie durch ein Wunder, nur weil ihr kein neues Leid zugefügt wird. Es fühlt sich dann nur leider oft keiner mehr zuständig und das Verständnis für Selbstverletzung, das ohnehin schon bei 0 liegt, wechselt dann von außen oft in Vorwürfe ala „Das ist doch jetzt vorbei, wie willst du denn wieder gesund/normal werden, wenn du dich weiter verletzt?“. Absurd? Ja, durchaus, aber leider eine ganz alltägliche Meinung, die nicht dazu beiträgt, dass sich die Opfer erholen.

Woher ich das weiß?

Es gab Zeiten in meinem Leben, die waren nicht schön und meine Schulzeit zählt definitiv dazu. Mobbing war an meiner Schule nie ein Problem. Jedenfalls nicht, wenn man die Schulleitung fragte. Es wurde geflissentlich übersehen, nur ab und zu, haben 2 Lehrer mal die schlimmsten Attacken unterbunden, wenn sie dazu kamen. Dumm nur, dass ich das Opfer dieses nonexistenten Problems war. Ich musste mir irgendwie helfen, denn es gab einfach Tage an denen waren die seelischen Schmerzen nicht mehr zu ertragen. Es gab Zeiten, zu denen ich mich nicht mehr bewegen konnte und nur noch vor Schmerz gekrümmt dalag, weil sich der Schmerz so heftig aus meinem Inneren nach außen übertragen hat. Im Gegensatz zu Leonie hatte ich auch keine Stimme in meinem Kopf, die mir damals die Rasierklingen ausgeredet hat. Aber auch diese hätten ab einem gewissen Punkt nichts mehr bewirkt. Mir war zu dem Zeitpunkt jedes Mittel recht, nur um diesen unglaublichen Qualen wenigstens für kurze Zeit zu entfliehen.

Wie stehe ich heute dazu?

Das ist eigentlich ziemlich einfach. Mobbing ist scheiße und ich bin immer auf der Seite der Opfer. Meine Narben würde ich niemals wegmachen lassen, denn jede von ihnen erzählt eine Geschichte und macht die Person aus, die ich heute bin. Trotzdem verberge ich die Narben meist, denn ich bin die Vorverurteilungen leid, zumal sie auch für meinen Sohn unschöne Auswirkungen haben können. Wer will schon, dass sein Kind mit dem Kind einer Verrückten spielt?!
Eigentlich traurig, dass selbst heute, 12 Jahre nach dem Verlassen der damaligen Schule, die Auswirkungen des Mobbings immer noch mein Leben beeinflussen, oder?

Tja ihr Lieben, das war mein sehr persönlicher Beitrag zu diesem Textschnipsel.

Was ich mit diesem Beitrag erreichen will:

Wenn er euch ein bisschen zum Nachdenken anregt und dazu bringt, euch etwas mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen, dann habe ich alles richtig gemacht. Vergesst nie: Mobbing beginnt nicht erst dann, wenn man selbst mitmacht, sondern dann, wenn man wegsieht, wo Menschen gequält werden.

Was ich nicht erreichen möchte:

Bitte erspart euch und mir jede Form von Mitleid. Das wollte ich damals nicht und will es heute erst recht nicht. Wenn euch meine Geschichte leid tut, dann behaltet sie im Hinterkopf und werdet aktiv. Es gibt genug Menschen, die genau in diesem Moment gemobbt werden und eure Hilfe brauchen können. Macht euch für sie stark.

Wenn euch dieser Beitrag dazu animiert hat, dass ihr selbst etwas zu der Aktion „Against Cyberbullying“ beitragen wollt, dann nur zu. Bitte seid aber so fair und verweist dabei auf Autorin Sylvia Rieß, denn sie hat das alles ins Leben gerufen.

Zum Abschluß soll ich euch noch eine Frage stellen, zu dem Beitrag und dem Thema. Das ist auch gar nicht schwer:

Ihr seht jemand, der frische Wunden hat, die ganz offensichtlich von Selbstverletzung stammen. Was geht euch durch den Kopf?

Bitte seid ehrlich. Ich nehme es niemandem übel, wenn die typischen Vorurteile kommen, aber ich finde es wichtig, dass ihr vielleicht auch selbst merkt, dass ihr sie habt. Denn nur, wenn wir uns selbst bewusst werden, wo unser Denken vielleicht falsch läuft, können wir uns ändern.

Liebe Grüße
Noctana

One Response to [Mitmachaktion] Against Cyberbullying mit Sylvia Rieß

  1. Sylvia Rieß sagt:

    Vielen Dank, Noctana.

    Beim Lesen läuft es einem schon eiskalt den Rücken runter.
    Deinen klaren Worten am Ende habe auch ich nichts weiter hinzu zufügen, außer, dass ich hoffe, dass noch viele Leser diesen Beitrag lesen werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.