[Rezension] Felicia Yap – Memory Game

Memory Game

Titel: Memory Game
Autor: Felicia Yap
Übersetzer: Bettina Spangler
Verlag: penhaligen
Genre: Thriller
Seiten: 448
ISBN: 978-3764531829
Preis: 14,99€

Inhalt in Kürze:

In der Welt des Ehepaares Claire und Mark Evans sind Tagebücher und Erinnerungen ein wertvoller Schatz. Denn alles, was man sich nicht schnell genug notiert, geht für immer verloren. Claire ist eine „Mono“, das heißt sie kann sich nur an die Ereignisse des letzten Tages erinnern und muss für alles weitere ihre Tagebücher zu Rate ziehen. Ihr Mann Mark, hingegen ist ein „Duo“, jemand der sich an die Ereignisse der letzten beiden Tage erinnern kann. Ihre Beziehung ist in der Gesellschaft heftig umstritten, da „Monos“ als minderwertig angesehen werden, aber die beiden halten zusammen. Eines Tages steht die Polizei vor der Tür, weil eine tote Frau gefunden wurde, welche angeblich Marks Geliebte gewesen sein soll. Nun ist er der Hauptverdächtige. Sagt die Polizei die Wahrheit? Was war wirklich geschehen? Kann Claire ihrem Mann vertrauen? Oder sich selbst?

Charaktere:

Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von vier verschiedenen Charakteren erzählt.

Mark Henry Evans ist ein erfolgreicher Schriftsteller und angehender Politiker. Obwohl seine Ehe zu einer „Mono“ von seiner Familie alles andere als gutgeheißen wird, steht er doch immer zu ihr. Trotzdem ist er ziemlich arrogant und gibt seiner Frau öfter das Gefühl, dass er besser ist als sie. Er hat einige Fehler und ist auch nicht immer sympathisch, aber er hat seine Prinzipien und Prioritäten richtig gewählt, sodass ich mich am Ende doch mit ihm aussöhnen konnte.

Claires Charakter ist zwar nicht sonderlich kompliziert, aber ihre Geschichte ist die einer „Mono“, welche jahrelang unter der Verhöhnung eines „Duos“ zu leiden hatte. Durch sie erfährt man, welche Probleme eine „gemischte“ Ehe mit sich bringt, aber auch was passiert, wenn man seine Tagebücher und dementsprechend auch seine Erinnerungen verfälscht. Sie ist eine starke Frau mit einem eisernen Willen und einem sehr dunklen Geheimnis.

Detective Hans Richardson ist der leitende Ermittler des Mordfalls. In Wahrheit ist er ein „Mono“, der sich jedoch als „Duo“ ausgibt, um auf der Karriereleiter nach oben steigen zu können. Er ist sehr ehrgeizig und versucht alle Fälle innerhalb eines Tages zu lösen, damit seine Erinnerungen nicht verfälscht werden. Richardson spielt mit dem Feuer, denn sein Stellvertreter kommt der Wahrheit manchmal gefährlich nahe.

Die letzte Person ist Sophia. Sie ist die Tote, die aufgefunden wird. Man erlebt die Ereignisse durch ihre Sicht immer dann, wenn Richardson in ihrem Tagebuch liest. Sie behauptet ein sogenanntes „Vollgedächtnis“ zu besitzen, das heißt, sie kann sich an Ereignisse erinnern die länger als zwei Tage zurückliegen. Deshalb wurde sie auch für geistesgestört erklärt und 17 Jahre lang weggesperrt. Nun wieder auf freiem Fuß, will sie an allen Rache nehmen, von denen sie glaubt, dass sie schuld daran sind, dass ihr so viele Jahre „gestohlen“ wurden.

Handlung:

Bevor ich mich über die negativen Punkte auslasse, erwähne ich zuerst mal das Positive, damit es nicht untergeht.

Die Geschichte war eines Thrillers würdig. Sehr spannend und ziemlich komplex. Die einzelnen Geschichten fügen sich erst nach und nach zu einem großen Ganzen zusammen. Die Protagonisten haben alle ihre Ecken und Kante und es gibt nicht nur Gut oder Böse. Das macht alle Agierenden sehr authentisch und auch menschlich. Das Ende hat mich ziemlich überrascht, da ich überhaupt nicht damit gerechnet habe. Eine Wendung, die mir sehr gefallen hat.

Alles in allem eigentlich ein sehr gutes Buch, dass eine ausgezeichnete Bewertung bekommen sollte, aber die Welt, welche die Autorin für ihre Geschichte erschaffen hat, gefällt mir nicht wirklich.

Meiner Meinung nach hat die Autorin es sich ein wenig zu einfach gemacht und die ganzen Konsequenzen nicht vollständig durchdacht, oder nicht richtig erklärt. „Monos“ vergessen alles innerhalb eines Tages und müssen sich zum Erinnern alles aufschreiben. Dann haben sie zwar die ganzen Fakten, aber keine Emotionen mehr dazu. Mal abgesehen davon, dass soziale Interaktionen ziemlich schwierig sind, wenn man die Leute, die man nicht täglich sieht, wieder vergisst, frage ich mich was mit alten Menschen passiert, die nicht mehr richtig lesen oder schreiben können. Oder wie kann man sich die Zeiten vorstellen, in denen noch nicht alle des Lesens oder Schreibens mächtig waren?

Junge Menschen betrifft das ja nicht, da das Erinnerungsvermögen erst mit 23 Jahren versagt. Alle Erfahrungen und Erinnerungen davor bleiben einem erhalten. Die Autorin hat ihre alternative Welt der realen Welt angepasst, auch geschichtlich, denn der Zweite Weltkrieg wurde erwähnt und auch das Jahr 2015.

Ebenso wie sich die Menschen in der alternativen Welt nicht vorstellen können mit einem vollständigen Gedächtnis zu leben, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass sich die Menschheit mit diesen Einschränkungen ebenso entwickelt hätte, wie in der realen Welt.

Hätte die Autorin Teile einer Dystopie eingebaut, sodass die Menschheit durch ein schreckliches Ereignis ihr Erinnerungsvermögen verloren hat oder wäre die Weltgeschichte vollkommen anders verlaufen, hätte ich das ohne weiteres akzeptiert. Aber so wie es ist, will es mir nicht gefallen.

Ja, das ist Kritik auf hohem Niveau oder man kann es auch kleinkariert nennen, aber solche Dinge stören mich einfach.

Fazit:

„Memory Game“ ist ein spannender Thriller mit einigen Überraschungen, der den Leser in seinen Bann zieht. Eine interessante, alternative Realität, aber für meinen Geschmack mit zu wenigen Differenzen zur Wirklichkeit. Da fehlte mir leider noch etwas. Trotzdem kann ich das Buch empfehlen und vergebe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.