[Blogtour / Werbung] Der Kater unterm Korallenbaum

Der Kater unterm Korallenbaum

Hallo ihr Lieben,
es freut mich sehr, dass ich euch heute zur letzten Station unserer kreativen Blogtour rund um das Buch Der Kater unterm Korallenbaum meiner Kollegin Christina Löw begrüßen darf.
Bei meinen Vorgängerinnen habt ihr ja schon eine ganze Menge tolle Themen kennengelernt und Infos erhalten, die nicht nur Japan und seine Kultur, sondern auch die Autorin und queere Liebe in den Vordergrund gerückt haben.
Bei mir geht es heute um das Thema Trauer. Nicht nur, weil wir es bedauern, dass die schöne Blogtour schon wieder zu Ende ist, sondern auch, weil dieses Thema eine zentrale Rolle im Buch spielt.

Der Kater unterm Korallenbaum

Ich könnte euch jetzt hier etwas von Phasen der Trauer erzählen, von Wandel des Lebens und all den wissenschaftlichen Ansätzen von Trauer, aber ich habe mich dafür entschieden, euch eine kleine Geschichte zu erzählen und das Thema anders anzugehen.
Viel Spaß mit meinem Beitrag zu Der Kater unterm Korallenbaum.

Von später Erkenntnis und verfrühter Trauer

Eines Tages rief mein Vater mich an. Er stotterte, es fiel ihm schwer, zu sagen, was gesagt werden musste. „Lucy … ich … ich habe nicht mehr viel Zeit. Kannst du bitte herkommen?“
Es dauerte noch eine Weile bis ich herausgefunden, dass mein Vater Krebs hatte und ihn nicht überstehen würde. Am Ende des Telefonats weinten wir beide und ich versprach, sobald wie möglich vorbeizukommen.

Ich rief meinen Chef an und bat darum Urlaub nehmen zu dürfen und obwohl bei all unseren Aufträgen die Luft brannte, stimmte er sofort zu. „Genießt die restliche Zeit, die ihr miteinander habt“, sagte er und legte auf. Die restliche Zeit? Langsam sickerte die Erkenntnis bei mir ein, wie viel Zeit ich verschwendet hatte. Wie oft hatte ich mich für eine weitere Folge meiner Lieblingsserie entschieden, statt für den Anruf bei meinen Eltern? Wie oft war ich sonntags zu müde für einen Besuch, weil ich die halbe Nacht durchgefeiert hatte?

Ich hätte so viel mehr Zeit mit meinem Vater haben können, aber ich hatte sie vergeudet. Wie ein Blitz traf mich die Erkenntnis und ich hörte auf meinen Koffer zu packen. Weinend rollte ich mich auf dem Bett zusammen. Ich war so blöd gewesen – und damit verstrich der erste Tag.

Am nächsten Morgen fuhr ich endlich los. Kaum angekommen entschuldigte ich mich bei meinem Vater für jeden verpassten Termin, jedes vergessene Telefonat. Es tat mir so leid und ich redete und redete. Er ließ es zu und verzieh mir alles. Am späten Nachmittag wurde er bereits müde – und so verstrich der zweite Tag.

Noch einmal in die Wälder, an den See und die Sonne genießen, so klein waren Vaters Wünsche. Wir wollten zusammen losziehen und die letzten Tage genießen, die uns noch blieben. Doch sobald ich seinen abgemagerten Körper unter einer Decke im Rollstuhl sah, kamen mir die Tränen. Ich wollte jede Minute mit ihm verbringen, aber ich konnte nur daran denken, dass er bald nicht mehr dasein würde. In den Wald kamen wir nicht, dafür weinte ich viel zu sehr – und so verstrich der dritte Tag.

Ich hatte schlecht geschlafen und verfiel bereits beim Frühstück ins Jammern. Was sollte ich nur ohne Vater tun? Und statt in den Wald zu gehen, verbrachten wir den Tag damit, dass er mir sagte, dass ich das Leben ohne ihn ganz wunderbar meistern würde – und so verstrich der vierte Tag.

Einen fünften gab es nicht mehr. Als ich morgens aufwachte, war Vater in der Nacht friedlich eingeschlafen. Ohne, dass wir wirklich Zeit miteinander verbracht hatten; ohne, dass wir schöne Erinnerungen gesammelt hatten und ohne, dass ich ihm seine letzten Wünsche erfüllt hatte.

Mein Herz zerriss beinahe vor Trauer und Schmerz und erst jetzt merkte ich, was ich eigentlich getan hatte. Was wir Menschen alle nur zu gerne tun: Wir glauben, wir sind unsterblich und schenken den Leuten, die wir lieben zu wenig Zeit. Wenn uns dann die Erkenntnis trifft, dass wir es nicht sind, beginnen wir zu trauern. Wir trauern nicht um Tote, sondern um Lebende. Wir verschenken die letzten Tage und Stunden für ein Meer aus Tränen. Für Tränen des Selbstmitleids, weil wir Angst haben, vor dem was kommt. Bei meinem Vater hatte ich alles falsch gemacht, aber ich schwör mir, noch einmal würde mir das nicht passieren. In Zukunft würde ich mit meinen Lieben achtsamer umgehen, zumindest das war ich Vater schuldig.

Ich hoffe, euch hat meine kleine Geschichte gefallen und euch das Thema Trauer mal aus einer anderen Perspektive gezeigt.
Ich hoffe, ihr hattet ganz viel Spaß mit der Blogtour zu Der Kater unterm Korallenbaum. Machts gut ihr Lieben und genießt den Sonntag.

Eure
Noctana

2 Responses to [Blogtour / Werbung] Der Kater unterm Korallenbaum

  1. Stephanie Braun sagt:

    Was wäre im Wald passiert? Wäre die Zeit im Wald wirklich wertvoller gewesen, als gemeinsam zu weinen und zu reden.
    Es klingt für mich, als hätte es wertvolle gemeinsame Zeit gegeben, auch wenn es eine Zeit voll Angst und Tränen war. Was kann es wertvolleres geben, als tiefe Gefühle miteinander zu teilen. Ist es für einen Vater nicht wunderbar, seiner Tochter noch etwas mit auf den Weg zu geben, Mut zu machen, dass sie ihr Leben auch ohne ihn wunderbar meistern wird.

    Danke dir für diese Geschichte <3

    Liebe Grüße
    Stephanie aka kleiner Komet

  2. Myna Kaltschnee sagt:

    Hallo Noctana,

    eine sehr schöne und berührende Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Es ist grundsätzlich bei bevorstehenden Abschieden so, dass man die Zeit, die einem noch bleibt, meist mit Trauern vergeudet, anstatt sie zu nutzen und zu genießen. Selbst wenn die Abschiede nicht für immer sind. Ich habe mir vor einem Jahr den guten Vorsatz gesteckt, mehr Zeit mit meinen Lieben zu verbringen und bisher funktioniert das auch ganz gut. Deine Geschichte hat mich daran erinnert, wie wichtig dieser Vorsatz ist und dass ich ihn wirklich unbedingt einhalten muss. Man weiß nie, wie viel Zeit einem noch bleibt.

    Ganz herzliche Grüße und einen guten Start in den Oktober,
    wünscht Myna

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